Roxy Dunn erzählt in ihrem Roman von einer Frau, die nach einer abrupten Trennung nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihr Selbstverständnis neu ordnen muss. Der Deal, den Misty mit Christopher eingeht, wirkt zunächst wie ein moderner Schutzmechanismus gegen Liebeskummer. Sechs Wochen, klar definiert, ohne Drama. Doch schnell zeigt sich, dass Gefühle sich selten an Absprachen halten.
Die Geschichte spielt viel mit der Spannung zwischen Freiheit und Bindung. Misty wird als verletzliche, suchende Figur gezeichnet, die sich in der neuen Konstellation oft kleiner macht, als sie ist. Christopher bleibt dagegen über weite Strecken schwer greifbar, fast zu kontrolliert, was die emotionale Dynamik manchmal unausgewogen erscheinen lässt. Gerade diese Asymmetrie verleiht dem Roman zwar psychologische Tiefe, hinterlässt aber auch ein gewisses Unbehagen.
Der Schreibstil ist klar, stellenweise nüchtern und durchzogen von leisen, klugen Beobachtungen. Gleichzeitig hätte manchen Szenen mehr Verdichtung gutgetan, da sich einzelne Passagen etwas verlieren und die innere Entwicklung nicht immer konsequent vertieft wird. Das Thema der offenen Beziehung wird differenziert angerissen, jedoch nicht in allen Facetten ausgeschöpft.
Das Cover fügt sich stimmig ins Gesamtbild, modern und leicht, was allerdings eine romantischere Geschichte erwarten lässt, als tatsächlich erzählt wird.
Zurück bleibt ein Roman, der mehr Fragen stellt als Antworten. Insgesamt eine interessante, wenn auch nicht durchweg fesselnde Lektüre über Selbstwert, Begehren und den Mut, sich selbst neu zu begegnen.