Brandaktuell, bedrückend, eindringlich. Nila ist auf der Straße. Auf den Straßen Teherans. Inmitten der Proteste. Sie ist Aktivistin. Jeder Tag ist ein Kampf. Für Gerechtigkeit, für die Selbstbestimmung, für die Freiheit. Frau, Leben, Freiheit.
Auf den Straßen Teherans ist ein Augenzeugenbericht, ein Zeugnis und vielmehr noch ein kleines Buch, das weite Horizonte öffnet. Auf wenigen Seiten gelingt es der Autorin, die aktuellen Proteste und die Rolle der Frau in Iran im historischen Kontext zu verorten.
Sie blickt weit zurück in die Geschichte und erklärt den kausalen Zusammenhang, warum sich nie eine Form der Aufklärung in Iran etablieren konnte. Stattdessen folgte nach der Revolution 1979 ein totalitäres Regime.
Und dann ist da der Alltag. Nila erzählt von Folter und Vergewaltigungen, von Müttern, die ihre Kinder betrauern. Sie schreibt von der Kluft zwischen den Generationen und ihrer Haltung zum Widerstand. Von Momenten der Schönheit, in die das Leid hineingreift. Wut, Ohnmacht, Scham, Hoffnung sind immer da, doch sind sie doch nichts gegen den unbändigen Wunsch nach Freiheit.
Umfassend reflektiert Nila die Mentalität der Iraner*innen und zeigt in sorgfältig gewählten Worten, welche Hürden auf dem Weg in die Freiheit stehen. Politisch und gesellschaftlich.
Doch immer wieder zieht sie den Bogen zurück zur aktuellen Tragödie. Die Gewalt, die Willkür, die Trauer sind unbeschreiblich und doch findet Nila Worte, die bewegen und aufrütteln. Sie geben einen seltenen Einblick ins Herz der Proteste und der Unterdrückung.
Dieses kleine Buch hat es in sich. Es ist Lehrbuch, Zeitdokument, Tatsachenbericht, historischer Roman und ein unschätzbarer Beitrag für das Verständnis einer Kultur.
Lest dieses Buch!