Als der Syrer Said Mardini im März 1971 am Flughafen in Frankfurt ankam, war er seiner Verhaftung in Damaskus nur knapp entkommen. Er setzte sein begonnenes Literaturstudium in Heidelberg fort, wo er auch durch seine Tätigkeit als Simultandolmetscher ein gutes Auskommen hatte. Drei Jahrzehnte später meldet sich ein ehemaliger Freund Saids, der Leiter des Heidelberger Krankenhauses Professor Klaus Rosenbaum, mit der Bitte um Hilfe. Ein reicher, schwer herzkranker Patient aus Syrien, Nadim Suri, wolle vor seinem Tod einem Schriftsteller seine Lebensgeschichte erzählen, damit dieser sie veröffentliche. Zehn Tage lang sitzt Said an Nadims Krankenbett und hört sich seine Erinnerungen an. Dieser erzählt aus seinem bewegten Leben, wie er in Damaskus als Sohn eines christlichen Syrers und einer deutsch-jüdischen Mutter aufwuchs, von seiner ersten Liebe, seiner Flucht über Beirut nach Deutschland und von den vielen Frauen, die sein Leben bereicherten. Dabei schweift er oft ab, erzählt von zufälligen Bekanntschaften, von einstigen Freunden und sinniert über politische Zustände seines Heimatlandes und anderer Arabischer Länder nach. Doch erst an seinem Totenbett wird er erfahren, was wahre Liebe ausmacht
Der 1946 in Damaskus geborene Autor Rafik Schami lebt seit 1971 in Deutschland. Er setzte in Heidelberg sein in Damaskus begonnenes Chemiestudium fort und schloss es 1979 mit der Promotion ab. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er mit Märchen und Fabeln, bevor er zu Romanen wechselte. Heute gehört er zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Für seine Werke, die bisher in 35 Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Schami hat die Staatsbürgerschaften von Syrien und Deutschland. Er ist seit 1991 verheiratet, hat einen Sohn und lebt seit vielen Jahren als freier Schriftsteller in der pfälzischen Gemeinde Marnheim im Donnersbergkreis.
Dass Rafik Schami ein Meister der Erzählkunst ist, hat er auch in seinem neuesten Roman Das Mosaik der Frauen (2026, Hanser-Verlag) wieder bewiesen. In seinem unverkennbaren Schreibstil, bildreich, mit viel Sprachwitz und voller Abschweifungen, die oft interessanter sind als die eigentliche Handlung, lässt er Nadim Suri aus seinem Leben und von seinen Frauen berichten. Jede dieser Frauen erhält ein eigenes Kapitel für sich, einige davon sind tragisch, andere wiederum liebevoll, sodass sich nach und nach ein vielschichtiges Mosaik des Lebens ergibt. Ganz nebenbei macht der Autor auch auf die Verhältnisse in seinem Heimatland Syrien aufmerksam. Man spürt, wie die Menschen durch verschiedene Religionen, Patriachat in den Familien und Diktatur der Regierung geprägt werden und versteht besser, warum viele ihre Heimat verlassen.
Fazit: Kein Buch mit klassischer Handlung, sondern eine interessante, anspruchsvolle und informative Geschichte, die nachdenklich und betroffen macht. Sehr empfehlenswert!