SCHWARZER SEPTEMBER
Sandro Veronesi
ET: 17.02.26
Fiumetto, 1972:
Der zwölfjährige Gigio freut sich auf die langen Sommerferien an der italienischen Küste. Dort wird er Astel wiedersehen, ein Mädchen, das ihm bereits im vergangenen Jahr ins Auge gefallen ist.
Auch Astel sucht Gigios Nähe. Unter dem Vorwand seiner guten Englischkenntnisse bittet sie ihn, Songtexte von Cat Stevens zu übersetzen. Immer öfter verbringen sie ganze Nachmittage bei ihr, verfolgen die Olympischen Spiele im Fernsehen, die gerade in München eröffnet werden, und kommen sich ganz langsam auch körperlich näher.
Für Gigio hat es etwas Unwirkliches, ja geradezu Magisches, dass Astel in ihn verliebt zu sein scheint und dass ihre äthiopische Mutter nie zu Hause ist und ihnen dadurch alle Freiheiten bleiben.
An jenem Wochenende, an dem Terroristen elf israelische Sportler der Olympischen Spiele in ihre Gewalt bringen, geschieht auch in Fiumetto etwas Schreckliches. Was genau, sollte man besser nicht dem Klappentext entnehmen, der zu viel verrät, sondern selbst entdecken.
Der erste Teil des Romans wirkte auf mich sehr kindlich erzählt passend zum Protagonisten, aber stellenweise verwirrend und gefühlt aus endlosen Nebensätzen zusammengesetzt.
Im zweiten Teil verändert sich der Ton und wirkt zwar erwachsener, doch Veronesi beschreibt mit großer Detailverliebtheit Songs, Sportler und Wettkämpfe, was mir insgesamt einfach zu viel war. Erst die letzten rund hundert Seiten konnten mich wirklich erreichen, wobei ich das abschließende Kapitel als überflüssig empfand.
Fazit
Ein Coming-of-Age-Roman mit einem schönen Cover, das mehr Dramatik verspricht, als der Text letztlich einlöst. Empfehlenswert für Leser*innen, die Freude daran haben, Namen und Leistungen der Olympischen Spiele von 1972 wieder aufgefrischt zu bekommen. Für mich blieb es insgesamt ein eher durchschnittliches Buch.
3/5