Commissario Vito Grassi und Ispettore Marta Ricci genießen ein köstliches Menü. Wer hätte gedacht, dass der exzentrische Rechtsmediziner Andrea Penza nicht nur ein Feinschmecker ist, sondern derart gut kochen kann? Leider wird das Essen von einem Leichenfund unterbrochen. Nahe des Sentiero Azzuro wurde ein Toter aufgefunden, offensichtlich erschlagen beim Einsturz einer jahrhundertealten Trockenmauer. Unfall oder Mord? Während Grassi den Fundort betrachtet, hat er das Gefühl eine Inszenierung zu sehen. Dann hört er ein Geräusch, ahnt einen Schatten - und wacht im Krankenhaus wieder auf.
In "Ein romantischer Tod" lässt Andrea Bonetto sein Team nicht nur in einem mysteriösen Todesfall ermitteln. Grassi und Ricci werden auch mit dem internen Korruptionsverdacht gegen Questore Feltrinelli konfrontiert. Doch sie lösen unbeirrt ihren dritten Fall und haben mich wieder spannend unterhalten.
Während vor allem der Vize-Questore, der zum ersten Mal eine Ermittlung leitet, von einem Unfall mit Todesfolge ausgeht, wird Grassis Sturz als Missgeschick gewertet. Vito hat mit starken Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und gelegentlichen Aussetzern zu kämpfen. Außerdem kann er nur zunächst nur an Krücken gehen. Er ist davon überzeugt, dass der Wanderer ermordet wurde. Warum soll eine uralte Mauer plötzlich einstürzen? Der Fall lässt dem Commissario keine Ruhe und so ermittelt er trotz seiner angeschlagenen Verfassung und den Einwänden von Tochter Lucy und Freundin Tony stur weiter. Dottore Penza gibt alles, um Vitos Mordthese zu beweisen. Bald kann Grassi einige verdächtige Personen ins Visier nehmen. Einen zwielichtigen Italo-Amerikaner, eine Erbin, die ihren Namen geändert hat und einen Dichter, der sich als Nachfahre von Percy Shelley sieht. Doch noch fehlen die Beweise. Der diesjährige Coppa Byron, ein legendären Wettkampf an dem auch Dottore Penza teilnimmt, bringt die Wende. Vito und Marta erleben mit, wie auf einen Verdächtigen ein Mordanschlag verübt wird.
Der neue Ligurien-Krimi hat mich rundum begeistert. Ich liebe die kantigen Charaktere, wie den muffigen, trotzdem sympathischen Commissario, der seine Gefühle verbirgt, aber inzwischen in seiner neuen Heimat angekommen ist. Sein vermeintlicher Unfall macht Grassi noch grantiger als üblich. Da die Ermittlungen nicht vorangehen, befürchtet er seinen Instinkt verloren zu haben und seine Nerven liegen blank.
Seine taffe Kollegin Marta Ricci, eine hervorragende Ermittlerin mit vorbildlicher Arbeitsmoral, die mit ihren Tattoos und farbigen Kontaktlinsen eher nicht wie eine Polizistin aussieht. Die Ispettore muss auf das Wohlbefinden Vitos achten, seine Ausfälle und Aggressionen in Schach halten. Daneben kümmert sich Marta noch um die Intrige gegen Questore Feltrinelli. Wer steckt dahinter?
Der exzentrische Rechtsmediziner Penza, der leckeres Essen schätzt, sehr gern doziert und sich liebend gern mit dem Commissario zofft. Doch Grassi kann sich auf den Dottore verlassen. Wenn es Spuren zu finden gibt, wird er sie entdecken.
Der Umgangston der Protagonisten veranlasst zum Schmunzeln. Wenn Penza die Allgemeinbildung seiner Kollegen bemängelt oder unerwünscht Küchentipps verteilt. Oder Marta den Commissario fragt, ob er weiß, wie er die Taschenlampe seines Handys aktivieren kann. Auch Vitos kleiner Panda besitzt Persönlichkeit. Spielt er doch ausschließlich Musik der Band Creedence Clearwater Revival (1967-1972), was Vito gefällt, aber Marta gehörig auf die Nerven geht. Das Lokalkolorit mit der herrlichen Landschaft, regionalen Eigenheiten wie den bis zu 500 Jahre alten Trockenmauern, lokaler Geschichte, hier das Kapitel der Dichterfreunde Byron und Shelley, und dem leckeren Essen, rundet den Krimi ab.
Schließlich wird der Fall gelöst und alle Fragen beantwortet. In der Questura geht alles wieder seinen gewohnten Gang und Commissario Vito Grassi ist rundum zufrieden. Er vergleicht sich mit dem alten kampferprobten Kater, den er gelegentlich in Riomaggiore trifft. Wer einen humorvollen, atmosphärischen Krimi sucht, der mit wenig Gewalt auskommt und trotzdem spannend ist, sollte mit Grassi und Ricci auf Verbrecherjagd gehen.
4,5 Sterne