Deviant Hearts wirft mich direkt in eine humorvolle und visuell ziemlich aufgeladene Szene. Neve versucht für die Uni zu lernen, weil sie unbedingt ihren Master in Staatswissenschaften schaffen möchte, wird jedoch von ihrem extrem attraktiven, kleidungslosen Nachbarn gegenüber abgelenkt. Dieser Einstieg ist herrlich leicht und ich komme gut in Neves Leben und ihrem familiären Hintergrund an. Ich erfahre, dass sie zur irischen Mafia gehört und eine Mafiaprinzessin ist.
Bereits im nächsten Kapitel lerne ich Ares kennen, den neuen König der griechischen Mafia. Jagger Cole bindet die komplexen Verstrickungen der verschiedenen Mafiaclans fast schon beiläufig in die aktuelle Handlung ein. Besonders interessant finde ich, dass Ares Geschwister alle Namen von griechischen Gottheiten erhalten haben. Trotz der Vielzahl an Figuren, die rasch hintereinander eingeführt werden, verliere ich nie den Überblick, da jede Person mit sehr individuellen Charakterzügen ausgearbeitet ist.
Um einen drohenden Krieg zu verhindern und eine starke Allianz zu schmieden, wird Neve ohne ihr Wissen in eine Ehe mit Ares gezwungen. Bereits zu Beginn finde ich Neves extreme Abneigung gegen ihn ein bisschen übertrieben, denn sie findet ihn von Anfang an äußerst attraktiv und interessant. Sie lehnt sich zwar feurig und trotzig gegen die Situation auf, aber letztlich geschieht das für mein Empfinden etwas halbherzig, weil sie für ihre Familie da sein möchte und nicht wirklich abgeneigt ist. Ich vermisse hier tatsächlich sehr das Widerspenstige, obwohl sie es Ares anfangs nicht leicht macht und sich nichts sagen lässt. So habe ich zu Beginn deutlich mehr Sympathien für die Nebenfigur Calliope, Ares Schwester, die eine scharfe Zunge und ein starkes Auftreten hat. Dennoch hat Neve eine starke Persönlichkeit. Ihre wahre Tiefe und positive Entwicklung sehe ich erst im Verlauf, als dramatische Szenen aus ihrer Kindheit ans Licht kommen. Damit zeigt sich für mich, wie stark sie wirklich ist.
Ares hingegen verkörpert den idealen Kriegsgott. Er ist dominant und beschützend, handelt Neve gegenüber jedoch stets loyal, zwingt sie zu nichts und verteidigt sie selbst in ihrer Abwesenheit. Auch wenn er manchmal über das Ziel hinausschießt, besitzt er einen gesunden Menschenverstand. Für ihn steht außer Frage, dass diese Ehe kein reiner Geschäftspartner-Vertrag ist. Eine richtige Hassphase gibt es seinerseits meines Erachtens nie.
Der Schreibstil von Jagger Cole ist flott und temporeich. Die Mischung aus Leichtigkeit und bissigen Sprüchen der Charaktere macht mir beim Lesen viel Spaß, zumal der Humor genau an den richtigen Stellen zündet. Gut finde ich zudem, dass die wechselnde Ich-Perspektive perfekt an die jeweilige Figur angepasst ist. Ares denkt und agiert einfach ganz anders als Neve. Am besten gefallen mir die Szenen, die ich aus beiden Sichtweisen miterleben darf. Da merke ich erst so richtig, wie unterschiedlich die beiden ein und dasselbe Ereignis wahrnehmen.
Deviant Hearts bietet mir neben der Liebesgeschichte einen spannenden Nebenstrang mit mehr Tiefgang und echter Gefahr. Der Strang wird sorgfältig und langsam aufgebaut. Dunkle Schatten aus Neves Vergangenheit verknüpfen sich mit der Gegenwart, was eine unterschwellige Bedrohung erzeugt. Für Ares ist schnell klar, dass dieses Thema auch ihn etwas angeht und er handelt entsprechend entschlossen. Dieser Strang fesselt mich zeitweise sogar mehr, weil vieles lange vage bleibt und ich gut spekulieren kann. Allerdings möchte ich hier auch manchmal die Figuren wegen ihrer naiven Gedanken bezüglich der realen Gefahr einfach nur schütteln.
Als der Nebenstrang mit immer mehr bedrohlicher Atmosphäre angereichert wird, dämpft Jagger Cole die Gefahr, indem sie den Fokus mehr auf die erotischen Szenen legt. Sie sind explizit und sehr heiß beschrieben, nehmen aber im Mittelteil plötzlich viel Raum ein und drängen kurzzeitig den die Mafia-Handlung in den Hintergrund. Für mich hätte es hier etwas weniger Erotik sein dürfen, auch wenn ich verstehe, dass sie zur Vertiefung der Beziehung zwischen Neve und Ares wichtig sind.
Die letzten hundert Seiten reißen das Ruder für mich aber wieder komplett herum. Obwohl manche Entwicklung mich nicht völlig überrascht, erwischt mich die Enthüllung im Finale eiskalt. Der rasante Showdown packt mich richtig und ich fiebere dem Ende entgegen. Ich mag, dass Deviant Hearts einen runden und stimmigen Abschluss bekommt und mich dabei trotzdem neugierig auf weitere Bände der Reihe macht.
Fazit:
Deviant Hearts ist ein interessanter Reihenauftakt mit viel ungezügelter Erotik, humorvollen Schlagabtäuschen und einer überraschenden Wendung, die mich wirklich begeistert hat. Ich bin gespannt auf den nächsten Band.