Jenseits der Wintersonne von Veronica Skotnes ist ein optisch wirklich wunderschönes Buch! Schon der Umschlag versetzt mich mit dem beeindruckenden Bild in die raue Nordmeerlandschaft und ich liebe es sehr, dass die Buchstaben von Titel und Autorinnennamen sowohl vorne, als auch auf dem Buchrücken haptisch wahrnehmbar sind. Auf der Rückseite dürfen wir dann sogar noch der Autorin begegnen und es gefällt mir sehr, dass ich so einen Eindruck von ihr bekomme, bevor ich mich der Lektüre widme. Schon mit diesem Umschlag ist das Buch daher für mich ein gestalterisches Highlight, der Bucheinband selber ist aber auch noch einmal wunderschön und anders, als der Schutzumschlag, gestaltet und im Inneren geht es ebenso hochwertig weiter. Denn wenn Veronica Skotnes eine Insel besucht, erwartet uns vor diesem Kapitel jeweils das Bild einer Karte dieser Landmasse und im Vorsatz können wir zudem eine Weltkarte mit der Finnmark darauf sehen. Das war aber immer noch nicht alles, denn zusätzlich gibt es in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder Bilder, die zum Gelesenen passen und die maritime Welt illustrieren. Es sind schwarz-weiße Bilder, die modern reduziert daher kommen, aber einen sehr starken Ausdruck haben und das mag ich sehr. Dazu kommt ein farblich abgestimmtes Lesebändchen und somit ist dieses Buch für mich optisch und haptisch ein absolutes Highlight im Bücherregal!
Aber auch inhaltlich hat es mich wirklich überzeugt und ich bin mir sicher, dass es mir lange im Gedächtnis bleiben wird. Denn Veronica Skotnes, die auf ihrem Seegelbot im Nordmeer vor der nördlichen Küste Norwegens lebt, erzählt sehr eindringlich von ihrem Leben dort. Von einem Winter bis zum nächsten Winter nimmt sie uns mit auf ihrer Reise zu verschiedenen Inseln dieser Region und wir erleben mit, wie sie auf Landschaften, Menschen und Geschichten stößt, die etwas in ihr bewegen. Sie berichtet offen von ihren Gefühlen und Beweggründen und zieht uns LeserInnen hinein, in eine maritime Welt zwischen Licht und Dunkelheit, der wohl die wenigsten Menschen im Leben so nahe kommen.
Die Autorin erzählt dabei oft in einer sehr poetischen und schönen Sprache, die zum langsamen Lesen verführt und überhaupt ist es ein Buch, das nicht schnell weggelesen werden möchte, sondern das mit Bedacht und Achtsamkeit genossen werden kann. Die Zeit vergeht anders im Nordmeer und beim Lesen hat mich die Reduziertheit des Lebens dort gefangen genommen. Es ist ein leises Buch mit dem Blick nach Innen, aber auch mit dem Blick auf die Veränderungen und Lebensbedingungen an der Küste der Finnmark. Ich kannte mich zuvor dort überhaupt nicht aus und fand es sehr interessant ein wenig in die Gegebenheiten dort eintauchen zu dürfen. Veronica Skotnes erzählt von der Schönheit der Natur und der Gastfreundschaft der Menschen, aber auch von Gefahren, der Zerstörung von Lebensräumen sowie Einsamkeit und von vielem mehr. Ihr Bericht wirkt authentisch und auf eine ungewöhnliche Weise lebensnah, weshalb er mich wahrscheinlich auch so berührt hat. Und immer wieder ist mir aufgefallen, dass mich dieses Buch auch zum Nachdenken angeregt hat.
Jenseits der Wintersonne ist ein Buch, das ich allen LeserInnen empfehlen möchte, die ein besonderes Buch schätzen, denen leise Geschichten vom Leben an einem ungewöhnlichen Ort gefallen und die bereit sind, sich auf eine Erzählweise einzulassen, die sie mitnehmen wird ins Nordmeer vor Norwegens Küste ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!