Ich lese wirklich selten Sachbücher. Aber was soll ich sagen? Die Buchhandlung der Exilanten habe ich verschlungen. Ich konnte nicht aufhören zu lesen und habe das Buch wie einen tragbaren Kraftquell mit mir herumgetragen. Sylvia Beach und Adrienne Monnier haben die literarische Landschaft des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. Mir sind sie Leitsterne, Inspiration und dauerhafte literarische Glücksbringer.
Uwe Neumahr entwickelt zwei Erzählstränge in zwei Zeitebenen, die sich langsam annähern.
In den Zwanzigerjahren sind Shakespeare & Company und das Haus der Bücherfreunde Treffpunkt für Schriftsteller*innen, Intellektuelle und Künstler*innen. Die illuste Avantgarde steigt aus den Seiten und grüßt in Text und Bild. Ernest Hemingway, James Joyce, Sherwood Anderson, Man Ray, Sartre, Picasso, Gertrude Stein, Simone de Beauvoir. Ihr Credo waren Solidarität, Gemeinschaftssinn und Leichtigkeit. Vor allem aber Menschlichkeit.
Aber dann besetzen die Deutschen 1940 Frankreich, die jüdischen Vertrauten, die Migrant*innen und selbst die Literatur, nach und nach geraten alle in Gefahr. Auch Sylvia Beach. Die beiden Frauen tun alles, um ihre Freunde wie Walter Benjamin oder Gisele Freund zu retten. Die Buchhandlungen werden Zellen des Widerstands. Bis Sylvia Beach selbst ins Internierungslager gebracht wird.
Durch das Wechselspiel der Zeitebenen und historischen Ereignisse entsteht eine fesselnde Dramaturgie. Uwe Neumahr schildert diese Kapitel aus der besetzten Kunst- und Literaturmetropole voller literarischer Finesse und grosser Hingabe. Er erzählt von kulturell-intellektuellen Höhenflügen, von Verfolgung, allumfassender Menschlichkeit und zwei unfassbar faszinierenden Frauen.
Sicher ist über die beiden schon viel geschrieben worden, aber dieser Aspekt ihrer bewegten Leben ist nicht nur lesenswert, sondern öffnet neue Horizonte.
Ich habe es so gern gelesen und werde es in Ehren halten.