Saya und Teno wurden jahrelang als Assassine ausgebildet und müssen nun sieben Prüfungen bestehen, um der Schattenarmee beitreten zu dürfen. Doch dafür müssen sie zusammenarbeiten und das ist bei diesen Einzelgängern und einem ewigen Hass zwischen ihnen fast unmöglich.
Eines Tages wird es das alles wert gewesen sein, Saya. Eines Tages wirst du herausfinden, wer er wirklich ist. Dann wirst du diese Nation aus der gnadenlosen Regentschaft des Gottkaisers befreien. Weil du in ihm das Monster sehen wirst, das er ist. Die Feuerstürme, giftigen Nebel und Sturmfluten werden aufhören. Und alles wird so sein, wie es sein soll. -Ryko
Irgendwie haben es mir Romantasy-Bücher mit japanischem Setting und starken Frauen, beispielsweise in Form von Assassinen, angetan. Allein das Buch ist mit der rosanen Farbe und dem passenden Farbschnitt schön geworden und auch wenn mir eine Karte der Welt oder gar der Hauptstadt gefehlt hat, haben es die Bilder auf den Klappenrückseiten wieder wett gemacht. Auch eine Triggerwarnung ist hinten mit dabei und ich empfehle jedem, sie zu lesen, denn das Buch kann gewalttätig und explizit werden, sodass wir nicht selten die Köpfe von Leichen rollen sehen. Der Schreibstil passt zu den Protagonisten und lässt sich einfach lesen und die zwei Sichtweisen waren einfach perfekt. Hinzu kommt das gelungene Worldbuilding, bei dem nicht an Details in den Assassinen-Schulen, den Wohnungen der Bürger oder an dem Palast gespart wurde. So entsteht Stück für Stück eine alte japanische Welt, bei der es sich die Autorin zwar leicht gemacht hat, die aber trotzdem gelungen ist.
Nun begleiten wir Saya und Teno durch die verschiedenen Prüfungen, die sich so mancher bestimmt anders vorgestellt hat. Denn das Team bekommt in der Hauptstadt Zettel mit Aufgaben, während andere Teams vielleicht ganz andere Prüfungen ablegen müssen, sodass kein direkter Kampf gegeneinander stattfindet und man nicht weiß, was gerade das Zwischenergebnis ist. Damit resultiert das Buch in einem Wettkampf mit der Zeit und verborgene Intrigen und Geheimnisse der Hauptstadt und des Adels. Meiner Meinung nach war das ganz angenehm, weil einige Plottwists vorkommen und die Kämpfe und Fluchten durchaus spannend waren. Es war im guten Maß actionreich und blutig, wodurch auch der Assassinen-Aspekt, der mir besonders gut in den ersten Kapiteln gefiel, in den Vordergrund rückt. Spionage und am Ende Magie kamen auch hinzu, was den nötigen Kick verschafft hat und das Finale hatte es ziemlich in sich, auch wenn mehr gegangen wäre. Der halbe Cliffhanger am Ende ist fies und bereitet den Folgeband perfekt vor. Durch all diese Aspekte fiebert man als Leser die ganze Zeit mit, falls sich die Charaktere mal nicht nur versteckt haben.
Und hier ging der eine Stern flöten: Die Liebesgeschichte. Dass eine vorkam, war durch den Klappentext klar und störte mich auch gar nicht, denn gut umgesetzt, kann es einer Story zu noch mehr Spannung verhelfen. Doch zwischen Teno und Saya gab es ein ewiges Hin und Her und wenn man mal dachte, dass die Beziehung vorankommt, stellt sich ein kindischer Grund durch fehlende Kommunikation dazwischen und sie gehen wieder drei Stücke zurück. Die Spannung zwischen ihnen war fantastisch und als richtiges Team sind sie auch stärker. Beispielsweise waren die gemeinsamen Prüfungen sehr interessant und das Prinzip des Tropes Enemies-to-Lovers kam gut rüber. Nur das dazwischen nervte. Außerdem kommt ein Romantasy-Buch nicht ohne spicy Szenen zurecht, sodass jeder potentielle Leser mit einigen davon rechnen muss. Gut geschrieben waren sie, das muss ich der Autorin zugestehen.
Die Protagonisten für sich gefielen mir richtig gut. Saya ist eine starke Kämpferin, die alles für Rache tun würde, meist logisch denkt und trotzdem verletzliche Seiten zeigt. Ihre inneren Gedanken waren faszinierend und in diese Welt passt sie perfekt rein, was dazu führte, dass ich sie die ganze Zeit angefeuert habe. Das Gleiche gilt für Teno, der eine fantastische Charakterentwicklung hinter sich hat und uns sowie Saya sein wahres Gesicht zeigt. Wir haben mal nicht einen knurrenden und düsteren Love-Interest, sondern einen jungen Mann, der verlegen ist, sich seine Gefühle irgendwann richtig eingesteht und damit seine exzellenten Kampffähigkeiten mit einem Ziel verbindet, was ich insgesamt klasse finde. Man liest sehr gerne aus seiner Sicht, da es nachvollziehbar und seinem Alter angemessen ist. Natürlich haben beide mit einer Vergangenheit zu kämpfen und auch dieser Kampf kommt voll bei mir an.
Was wäre ein Fantasy-Roman ohne eine Art Magiesystem? Natürlich nichts und selbst wenn die Art der Magie nicht originell ist, war die Verbindung mit den alten Göttern und ihre Anwendung großartig, besonders zum Ende hin. Aber auch mitten im Buch gab es diese eine besondere Szene, bei der Saya herausfindet, was das Mal an ihrem Fuß wirklich bedeutet, und sie war magisch und einfach perfekt. Mit solchen Abschnitten rechne ich nicht und genau deswegen waren sie so gut.
Insgesamt kann ich diesen Roman jedem ans Herz legen, der gerne japanisch angehauchte Fantasy in Verbindung mit einer stark im Vordergrund stehenden Liebesgeschichte liest!