Betreutes Morden von Fergus Craig ist der Auftakt zu einer Reihe, in der Carol Quinn, eine ehemalige mehrfache Mörderin, Mordfälle löst. Es ist ein Krimi mit schrägem Humor, originellen Protagonisten und mit britischer Atmosphäre.
Das Buch erschien 2026. Die Originalausgabe trägt den Titel Im Not The Only Murderer In My Retirement Home. Der Schreibstil ist flüssig, locker und amüsant. Die Handlung spielt in der Gegenwart in einer noblen Seniorenresidenz nahe Londons.
In diesem Seniorenheim leben u.a. Geoffrey, ein ehemaliger Kriminalkommissar, Margaret, einstige Innenministerin, Catherine, eine ehemalige Pathologin, und kürzlich eingezogen Carol, eine Serienmörderin, die nach drei Jahrzehnten im Gefängnis hier ihren Ruhestand genießen möchte.
Doch kaum hat sie sich etwas eingewöhnt und freundschaftlichen Anschluss gefunden, geschieht ein Mord. Rasch dringt auch das Geheimnis ihres Vorlebens ans Tageslicht und es passiert das Naheliegende: das Vorurteil greift um sich: Einmal Mörderin, immer Mörderin. Das denkt nicht nur die Polizei, sondern auch ihre MitbewohnerInnen. Selbst ihre Freundesrunde verdächtigt sie. Carol bleibt nichts anderes übrig, als den Mörder zu finden, um sich zu rehabilitieren. Kein einfaches Unternehmen, denn sie ist anfangs auf sich alleine gestellt. Doch Geoffrey, Catherine und Margaret hegen doch Zweifel an Carols Schuld und stellen ebenfalls Nachforschungen an. In kleinen Dosen sickern immer mehr Informationen durch, es mehren sich die verdächtigen Personen, natürlich führt manche Spur in die Irre. Eine zweite Leiche klärt zwar manches, gibt dafür wieder neue Rätsel auf. Es ist stets spannend, man kann gut mit raten. Letztlich recherchieren sie zu viert, die Ex Profis nutzen ehemalige berufliche Kontakte und enthüllen so manches streng gehütetes Geheimnis. Carol zieht daraus ihre Schlüsse und enttarnt in altbewährter Agatha-Christie-Manier vor versammelter Menge Polizei und Heiminsassen Tathergang und Täter.
Es sind ganz spezielle Charaktere, die in diesem Krimi im Mittelpunkt stehen. Die Skizzen auf der Innenseite des Umschlags tragen exzellent dazu bei, sich Carol, Margaret, Catherine und Geoffrey schon mal optisch gut vorstellen zu können. Es sind aber keine Menschen, die auf den ersten Blick sympathisch wirken, sie haben so ihre Eigenarten. Erst im Laufe der Handlung lernt man sie näher kennen, sie entwickeln sich positiv. Die Hauptperson ist natürlich Carol. Mit Erstaunen merkt man, dass eine Mörderin durchaus eine liebenswürdige und sympathische Ausstrahlung haben kann. Vor allem sobald man erfährt, unter welchen Umständen und mit welcher Begründung sie Menschen beseitigt hat, ertappt man sich dabei, sie zu verstehen (wenn auch nicht unbedingt, dies gutzuheißen).
Ich fand die Grundidee des Krimis genial, die Handlung war spannend aufgebaut. Mit den Figuren (abgesehen von Carol) wurde ich allerdings nur langsam warm. Es gibt eine Reihe sehr amüsanter Szenen, doch immer traf der doch sehr schräge Humor nicht unbedingt meinen Geschmack. Im Großen und Ganzen hat mich Carols 1. Fall gut unterhalten und den Wunsch nach einer Fortsetzung geweckt.