Migrationsgeschichte und Liebeserklärung
Laila El Omari zeichnet mit feinen Pinselstrichen ein arabisches Universum aus Gerüchen, Gewürzen, strahlend blauem Himmel, Hitze und dem alles verschlingenden Wüstensand.
Stilistisch kratzt der Roman mit Nachdruck an den Pforten des Kitschimperiums, aber das ändert nichts daran, dass dies ein hervorragend lesbarer Unterhaltungsroman ist, dessen Spannung maßgeblich davon getragen wird, dass sich zwei Zeitebenen in zwei verschiedenen Kulturkreisen aufeinander zu bewegen.
Die Geschichte erzählt von Sami, der 1949 nach der Flucht aus Jaffa in Tripolis ankommt. Dieser neue Ort ist nicht frei von Konflikten und der Verlust der Heimat wiegt schwer. Dennoch ist Tripolis pulsierend und voller Möglichkeiten, geprägt von einem Schmelztiegel europäischer und arabischer Kulturen. Die Beschreibungen gelingen so anschaulich, dass es schwer ist, diesem Bilderreichtum zu widerstehen.
Amelie ist Urenkelin von Sami, lebt 2024 in Köln. Sie ist Journalistin und umschifft ihre arabischen Wurzeln, bis die Auseinandersetzung mit ihrer Teenager-Tochter eskalieren und sie bei einer Reportage mit ihrem Erbe konfrontiert wird, das sie so erfolgreich verleugnete.
Ohne Lösungsnspruch benennt der Roman das große Thema der transgenerationalen Traumata einer ganzen postmigrantischen Generation. Die Weitergabe von Traumata derjenigen in der Diaspora führt weit zurück in die Fluchtgeschichten und den Verlust der Heimat. Gerade die Geschichte der Frauen bleibt vielfach ungehört.
Leicht verwebt Laila El Omari arabische Wendungen in die Dialoge, erforscht Dialekte, zeigt die Unterschiede aus Sicht der Nachgeborenen. Sie findet einen Ton, der ein großes Publikum erreicht, weckt Sehnsucht, sensibilisiert für die ganze Dimension von Exil und Flucht, Heimat und Sehnsucht.