Am Rand einer unscheinbaren Kleinstadt steht Black Manor, ein altes Herrenhaus, das eher gemieden als beachtet wird. Für Luca ist der Wald ringsum ein Rückzugsort. Dort zeichnet er, denkt nach und entzieht sich dem Alltag, der für ihn selten leicht ist. In der Schule steht er allein, ohne genau zu wissen, warum, ausgerechnet die Freunde seines Zwillingsbruders gehören zu denen, die ihn ausgrenzen. Auch zu Hause fühlt sich Luca übersehen. Seine Mutter bevorzugt Jannis, das Verhältnis der Brüder ist angespannt.
An seinem dreizehnten Geburtstag tritt eine Veränderung ein, zunächst unscheinbar, dann zunehmend beunruhigend. Ein schwarzes Symbol erscheint auf seinem Handgelenk, ein fremdes Tier taucht in seinem Zimmer auf. Kurz darauf meldet sich William Gray, der zurückgezogen lebende Bewohner von Black Manor. Er weiß mehr über Lucas Zustand, als dieser selbst ahnt. Beide teilen eine besondere Gabe: Die Wesen ihrer Träume können Wirklichkeit werden, und der Ort, aus dem sie stammen, liegt näher, als Luca vermutet.
Mit dieser Entdeckung öffnet sich eine zweite Ebene der Geschichte. Das Reich der Träume ist faszinierend, aber keineswegs harmlos. Magische Wesen und fremde Orte stehen neben albtraumhaften Gefahren. Ein Gegner strebt danach, Traum und Wirklichkeit zu beherrschen. Luca und William geraten in einen Konflikt, der größer ist als ihre eigene Geschichte und Luca dazu zwingt, Verantwortung zu übernehmen.
Marisa Hart erzählt flüssig und sehr bildhaft. Die von ihr erschaffene Fantasiewelt ist eigenständig und klar ausgearbeitet, sie entsteht beim Lesen deutlich vor dem inneren Auge. Die Handlung entwickelt sich stetig, der Spannungsbogen bleibt durchgehend erhalten. Das Buch liest sich schnell und ohne Längen.
Luca ist ein sympathischer und interessanter Hauptcharakter. Seine Rolle als Außenseiter, seine Unsicherheit und sein Rückzug ins Zeichnen machen ihn glaubwürdig. Die Veränderungen, die an seinem dreizehnten Geburtstag beginnen, setzen nicht nur die Handlung in Gang, sondern auch eine persönliche Entwicklung. William Gray bleibt geheimnisvoll, was gut zur Atmosphäre der Geschichte passt.
Als Beginn einer Reihe endet das Buch dennoch rund. Es weckt die Lust auf die Fortsetzung, ohne offen oder unfertig zu wirken, was besonders positiv auffällt.
Ein weiteres Highlight sind die detailreichen schwarz weißen Illustrationen, die die Handlung aufgreifen und veranschaulichen. Gerade für Kinder und Teenager machen sie das Buch noch zugänglicher. Ergänzt wird das durch den gezeichneten Stadtplan in der Innenklappe, der es ermöglicht, Lucas Wege beim Lesen fast mitzuverfolgen.
Fazit:
"Secrets of Black Manor Die Gabe der Träumer" ist ein atmosphärischer Auftakt mit einer eigenständigen Fantasiewelt, einer sympathischen Hauptfigur und einem konstanten Spannungsbogen. Flüssig erzählt, illustratorisch aufgewertet und in sich abgeschlossen.