Wenn man wissen will, wie sich ADHS anfühlt, dann muss man dieses Buch lesen. Ein Spaß ist das nicht, das ist wohl so.
Hier berichtet Wally von dem Jahr, in dem sie ihren Zusammenbruch hatte und in dem ihr Haus überschwemmt wurde. Man vermutet natürlich Zusammenhänge, Fakt ist: Manchmal kommt es einfach dicke.
Wally ist lebendes Chaos, witzig, sympathisch, selbstkritisch und durch und durch unorganisiert. Wie sie erzählt, so lebt sie auch, hier ein bisschen, da ein bisschen, zielstrebig am Punkt vorbei, es gibt doch so viele schöne Punkte auf der Welt, warum sich auf einen beschränken?
Ihre Tochter hat eine ADHS Diagnose und braucht Unterstützung, Medikamente und Therapie, Wally braucht einen Plan, der ihr sagt, was zuerst dran wäre, wären nicht hundert andere Dinge auch noch zu erledigen, wer will da noch Pläne aufstellen?
Dieser Text liest sich wie eine Direktübertragung aus Wallys Gehirn, ist sprunghaft, klug, liebevoll, unsortiert, mal intensiv, dann wieder lückenhaft mit riesigen Absätzen. Mal wirkt es wie ein Bericht, mal wie ein Gedicht, eine Ideensammlung oder ein Einkaufzettel.
Warum die Sache überhaupt bei einem Namen nennen?
Vielleicht, damit man darüber sprechen kann, ohne eine
Erklärung in Länge eines Romans abzugeben.
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Warum sich selbst in eine Schublade stecken?
Damit endlich einmal aufgeräumt ist.
Wally analysiert sich ständig und überall, klug, philosophisch, verzweifelt, herzzerreißend, mit ganz viel Galgenhumor und Selbstironie. Das Lesen könnte Spaß machen, wäre es nicht so grauenhaft anstrengend, sich wie Wally zu fühlen.
Ein bisschen habe ich auf die Pointe gewartet, aber da kommt keine. Das ist ADHS pur, ohne Pointe, anstrengend und sehr lesenswert.