Sein Job, insbesondere ungelöste Fälle wie sein letzter ("Umlaufaufzug") setzen Kriminalhauptkommissar Konrad "Konny" Kramer derart zu, dass er sich von seiner Kollegin Waltraud zu Ferien überreden lässt. Eine ganze Woche lang! Mit dem Instinkt des passionierten Ermittlers wählt er sich zielsicher einen scheinbar idyllischen Urlaubshotspot aus, den Chiemsee. Doch unter der Oberfläche dieses beliebten Touristenziels lauert bereits das Verbrechen.
Reiner Jansen schickt sein Ermittlerpaar Winter und Kramer erneut auf Verbrecherjagd. Wie schon im Vorgänger "Umlaufaufzug" begegnen sie unerwarteten Phänomenen. Für spannende, aber unkonventionelle Unterhaltung ist gesorgt. Ein Krimi? Mal sehen.
In verschiedenen Erzählsträngen rund um den Chiemsee wird uns das bayrische Gewässer näher gebracht. Dabei verändert sich mit jedem Kapitel die Perspektive und fordert damit die Aufmerksamkeit des Lesenden. Die geologische Entstehung des Sees wird beschrieben, vor zirka 10.000 Jahren. Zahlreiche Besucher bzw. Anwohner hat das Gewässer seither verzeichnet, vom frühen Nagetier über die Freunde Bran und Ulik bis zum hinterhältigen Römer Scipio. Vom Obersturmbannführer bis zu Lady Anja mit der lukrativen Geschäftsidee. Der drittgrößte See in Deutschland hat bereits viel gesehen und immer wieder ertönt ein unheilvolles Brummen ...
Reiner Jansen schreibt sehr bildhaft, feinsinnig und unterhaltsam. Seine Charaktere, insbesondere Konny, Waltraud und Todenhöfer habe ich gern wieder getroffen. Die Dialoge des Kommissars und seiner Kollegin genieße ich sehr, egal ob sie sich über eine Trödelshow im Fernsehen (der Autor hat doch nicht etwa unsere Kommentare beim Schauen abgehört?) unterhalten oder den ersten Bayern unter gleichen. Humor vom Feinsten ("We are we").
Der arme Konny, der heldenhaft seine Angst vorm tiefen Wasser überwinden will, stolpert bzw. schwimmt prompt über eine Leiche. Kein Wunder, dass ihm sein Urlaub nicht gefällt. Erst der Tote, dann die Begegnung mit seinem ehemaligen Hauptverdächtigen aus dem letzten, dem ungelösten, Fall. Ob Todenhöfer nicht doch ein Alter Ego von Jansen ist? Jedenfalls können sich acht Tage ganz schön in die Länge ziehen. Zumal der Urlaub doch noch zur Ermittlung mutiert, nachdem ein getöteter Taucher teilweise offenlegt, was die ganze Zeit tief im See ablief. Dann überschlagen sich die Ereignisse und rufen sogar die US-Amerikaner auf den Plan ...
Mir hat "Chiemsee-Gold" ausgezeichnet gefallen. Vielleicht setzt die Geschichte einen bestimmten, eher schwarzen, Humor und eine gewisse Großzügigkeit bzw. Toleranz voraus. Das Buch ist unkonventionell, besonders im letzten Teil und fordert den Lesenden durch seine Sprunghaftigkeit. Gleichzeitig wirkt es dadurch lebendig und anhaltend spannend. Die feinsinnigen Anspielungen auf Personen und Ereignisse unserer Zeit sowie der humorige, aber nicht klamaukige Tonfall zeichnen Rainer Jansen aus. Die Antwort zu meiner Frage: Das Buch ist auch eine Art Krimi, aber eben nicht nur.
4,5 Sterne