Henri ist Mitte Fünfzig, geschieden, der Beruf ist Routine, beim Dating ist eher zweite Wahl und dann kommt auch noch Barthaarausfall dazu. Der Hausarzt diagnostiziert Wechseljahre, und Henri beginnt sich zu fragen, was er sich vom Leben erwartet und welche Veränderungen er vornehmen sollte. Da kommt es wie gerufen, dass seine Traumfrau, der er zufällig über den Weg läuft, als Mental Coach arbeitet. Allerdings scheint sie ein Faible für deutlich jüngere Männer zu haben. Henri wittert dennoch eine Chance
Vom ersten Moment an habe ich mich bei Wir Freitagsmänner köstlich amüsiert. Hans-Gerd Raeth entwirft Szenen mit viel Situationskomik und herrlich pointierten Dialogen, so dass ich mehrmals laut lachen musste, was mir beim Lesen bzw. Hören nur höchst selten passiert. Henri ist ein sympathischer Protagonist: schlagfertig, humorvoll, reflektiert und dabei aber nicht frei von Fehlern. Einer davon hat vor Jahren seine Ehe ruiniert, und dennoch begegnen er und seine Exfrau sich wertschätzend und auf Augenhöhe. Auch das Verhältnis zu seinen inzwischen erwachsenen Kindern ist liebevoll. In Felix hat Henri einen wahren besten Freund, der um seine Ehe und gegen die körperlichen Verfallserscheinungen des Alters kämpft und auf den sich Henri in allen Lebenslagen verlassen kann.
Auch wenn der Autor im Kleinen mit Klischees spielt zB bei Dating-Pannen oder Felix, der midlife-kriselnd im hautengen Lycradress durch die Gegend rennradelt ist die Handlung angenehm frei von erwartbaren Stereotypen. So bietet das Buch nicht nur wunderbare Unterhaltung und viel Humor, sondern auch nachdenkliche und melancholische Momente in einer perfekten Mischung.
Ich hatte so viel Spaß an diesem Buch, dass ich es nicht nur gelesen, sondern auch das Hörbuch gehört habe. Christoph Maria Herbst spricht dieses einfach grandios und setzt dem Text durch seine Stimme noch das i-Tüpfelchen auf. Er trifft den humorvollen Unterton hervorragend, verstimmlicht die Figuren differenziert und erweckt sie zum Leben. Ein absolutes Hörvergnügen!