Ernst Weiß: Autobiographische Werke erschließt das Selbstzeugnis eines Autors, dessen Prosa zwischen klinischer Genauigkeit, nervöser Moderne und existenzieller Beichte steht. Die Texte führen in Kindheit, ärztliche Ausbildung, Kriegserfahrung und Entwurzelung hinein, ohne bloß Erinnerungen zu ordnen: Sie untersuchen Identität als beschädigte, von Schuld, Krankheit und gesellschaftlichem Zwang geformte Konstruktion. In der Tradition der deutschsprachigen Moderne, nahe Expressionismus und psychologischem Realismus, verbindet Weiß knappe Beobachtung mit moralischer Unruhe. Ernst Weiß, 1882 in Brünn geboren, war Arzt, Reisender, Soldat im Ersten Weltkrieg und ein enger Zeitgenosse Franz Kafkas. Seine medizinische Erfahrung schärfte den Blick für Körper, Abhängigkeit und seelische Deformation; seine jüdische Herkunft, die Erfahrung politischer Katastrophen und das Exil verliehen seinem Schreiben eine besondere Dringlichkeit. Als er 1940 in Paris starb, war sein Werk bereits von jener historischen Gewalt überschattet, die viele seiner Motive vorwegnimmt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Autobiographie nicht als Lebensbericht, sondern als Erkenntnisform verstehen. Es bietet einen konzentrierten Zugang zu Weiß' Werk und zeigt, wie persönliche Erinnerung literarisch, diagnostisch und zeitgeschichtlich bedeutsam werden kann.