Martin Luthers 1523 erschienene Schrift Von weltlicher Obrigkeit entfaltet eine grundlegende Unterscheidung zwischen geistlichem und weltlichem Regiment. In prägnanter, polemisch geschärfter Prosa fragt Luther, wie weit Christen der Obrigkeit Gehorsam schulden und wo deren Macht endet. Vor dem Hintergrund der Reformation verbindet der Text biblische Exegese, politische Theologie und praktische Rechtsreflexion zu einem einflussreichen Beitrag über Gewissen, Zwang und Verantwortung. Luther, Augustinermönch, Bibelübersetzer und Reformator, schrieb aus der Erfahrung kirchlicher Verfolgung, fürstlicher Schutzbedürftigkeit und sozialer Unruhe. Seine Auseinandersetzung mit päpstlicher Autorität und seine Lehre von der Freiheit des Christenmenschen führten ihn dazu, die Legitimität staatlicher Gewalt weder absolut zu setzen noch grundsätzlich zu verwerfen. Das Werk zeigt einen Autor, der zwischen Evangelium, öffentlicher Ordnung und persönlichem Gewissen vermittelt. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die die politischen Konsequenzen der Reformation verstehen wollen. Es ist keine bloße historische Streitschrift, sondern ein Schlüsseltext zur europäischen Ideengeschichte: anspruchsvoll, klar argumentierend und bis heute anregend für Fragen nach Gehorsam, Widerstand und den Grenzen staatlicher Macht.