"Lieben am Limit" von Nadine Ising und Andrea Specht hat mich wirklich mitgenommen. Nadine Ising erzählt darin von ihrem Alltag mit zwei Söhnen mit ADHS und das so ehrlich und ungeschönt, dass ich mich sofort verstanden gefühlt habe. Bei uns hat eines unserer vier Kinder ADS, und auch wenn ADS und ADHS nicht identisch sind, waren mir so viele der beschriebenen Situationen und Gefühle vertraut: die Selbstzweifel, die Erschöpfung, aber auch die Momente, in denen man merkt, wie besonders und liebenswert das eigene Kind gerade in seiner Andersartigkeit ist.
Besonders gut hat mir gefallen, dass Nadine Ising nicht nur ihre eigene Geschichte als Mutter erzählt, sondern durch ihre 20-jährige Erfahrung als Sonderpädagogin auch fundiertes Fachwissen mit reinbringt. Das macht das Buch für mich viel greifbarer als reine Erziehungsratgeber, weil man merkt: Sie weiß wirklich, wovon sie spricht, aus beiden Perspektiven, als betroffene Mutter und als Fachfrau.
Was mich am meisten berührt hat, ist der Blickwechsel weg von -was stimmt nicht mit meinem Kind-hin zu den Stärken und dem Potenzial, das in diesen Kindern steckt. Genau diesen Perspektivwechsel habe ich mir für uns auch gewünscht. Trotz aller Krisen, die sie schildert, strahlt das Buch am Ende viel Hoffnung und auch Humor aus. Man fühlt sich nicht allein gelassen mit den schwierigen Tagen.
Für alle Eltern, die mit einem Kind mit ADHS, ADS oder generell mit besonderem Temperament leben, wirklich eine große Empfehlung von mir. Aber auch, wer einfach allgemein am Thema ADHS interessiert ist oder mehr Verständnis dafür entwickeln möchte, bekommt hier viele wertvolle Einblicke.