Beutemacher von Rolf Silber ist ein Frankfurter Milieu-Thriller, der viel will: hart, schmutzig, politisch aufgeladen, überraschend. Und genau darin liegt zugleich seine Stärke wie auch seine Schwäche.
Im Zentrum steht Nika, eine Figur auf der Flucht vor wem oder was bleibt lange unklar. Diese Ungewissheit ist offensichtlich gewollt und spiegelt sich im wiederkehrenden Motiv des Falken wider: Jäger oder Gejagter? Beobachter oder Beute? Leider trägt dieses Bild die Handlung nicht immer, sondern verstärkt stellenweise die ohnehin vorhandene Verwirrung. Die Geschichte wirkt oft hektisch erzählt, springt abrupt und fordert viel Aufmerksamkeit, ohne dem Leser stets genug Orientierung zu geben.
Das Frankfurter Umfeld wird roh und direkt gezeichnet, stellenweise fast dokumentarisch. Dialekt, derbe Sprache und blutige Szenen sorgen für Authentizität, wirken jedoch nicht immer ausgewogen. Besonders der Dialekt kann polarisieren: Für manche verstärkt er die Atmosphäre, für andere reißt er aus dem Lesefluss. Auch die Passagen rund um den angedeuteten Finanz- und Politikskandal bleiben eher skizzenhaft und bedienen teils stereotype Motive, statt sie wirklich auszuleuchten.
Interessant ist der Perspektivwechsel, unter anderem aus Sicht einer Katze und eines Raubvogels skurril, makaber und überraschend. Diese Idee hebt den Thriller kurzzeitig aus der Masse heraus, verstärkt aber zugleich den fragmentierten Eindruck der Erzählung. Nicht jede ungewöhnliche Perspektive fügt sich organisch ins Gesamtbild ein.
Beutemacher ist brutal, stellenweise schockierend und definitiv nichts für zarte Gemüter. Seine Stärke liegt im kompromisslosen Ton und in einzelnen originellen Einfällen. Wer klare Strukturen, stringente Spannung und saubere Auflösungen sucht, könnte jedoch Mühe haben, der Handlung zu folgen. Am Ende bleibt ein Thriller, der mehr jagt als fängt ambitioniert, eigenwillig, aber nicht immer fesselnd.