Marescialla Bianca Rossi besucht eine Opernaufführung auf der Seebühne in Salò. Ihr Lebensgefährte Amedeo hat ihr zum Geburtstag die Karten geschenkt. Selbst Opernmuffel Bianca ist auf den Auftritt von Leandro Pavone, dem italienischen Startenor gespannt. Die Aufführung endet anders als geplant. Pavone bricht während der Vorstellung tot auf der Bühne zusammen. Da die Carabinieri-Station von Salò wegen eines Fußballturniers unterbesetzt ist, übernehmen Bianca und ihre Freundin Eva, Carabinieri-Marescialla aus Limone und Nichte des Toten, die ersten Ermittlungen. Wurde der Opernstar ermordet oder war es Suizid?
Heidi Troi hat mit "Ein Aperol in Moll" den Abschluss ihrer Bianca-Rossi-Trilogie vorgelegt. Die spannende Geschichte hat mich schnell gefesselt.
Der neue Fall hat es in sich. Wer hat ein Mordmotiv? Eine der drei Töchter, die Ex-Frau, die Geliebte oder ein Konkurrent? Hat der Star das Gift selbst genommen? War der Tenor vielleicht ernsthaft erkrankt? Kompetenzgerangel mit den Kollegen von Salò erschweren die Ermittlungen. In Malcesine bekommt Biancas Team endlich Verstärkung. Während Bianca ihren ehemaligen Vorgesetzten Pacifico vermisst, ist sie vom Neuzugang nicht gerade begeistert.
Neben dem verdächtigen Todesfall spielt Biancas persönliche Situation eine dominante Rolle. Ihr gewalttätiger Ex-Mann Tiziano soll nach drei Jahren Haft wegen guter Führung vorzeitig erlassen werden. Bianca ist überzeugt davon, dass er sie töten wird, sobald er freikommt. Während ihre Freundinnen dazu raten, die Identität zu wechseln, kann Bianca nicht akzeptieren, dass ausgerechnet sie als Opfer um ihr Leben bangen muss. Heidi Trois gründliche Recherche ist hier spürbar. Biancas Angst, ihre Verunsicherung, ihre Wut sind sehr gut nachvollziehbar. Im Nachwort weist die Autorin daraufhin, dass eine Marescialla der Carabinieri von Siracusa als Vorbild für Bianca diente. Sie fiel einem Femizid zum Opfer - verübt durch ihren Ehemann, der ebenfalls ein Beamter der Staatsgewalt war. Erwartet Bianca das gleiche Schicksal?
Trotz dieses düsteren wie aktuellen Themas kommt der eigentliche Kriminalfall nicht zu kurz. Leandro Navones Tod wird nach mehreren Wendungen schließlich aufgeklärt. Dabei wird klar, dass der Star auch eine dunkle Seite besaß. Der Gardasee und das italienische Ambiente spielen eine wichtige Rolle und sorgen neben dem flüssigen Erzählstil für gute Unterhaltung und gelegentliches Urlaubsfeeling. Als Tiziano freikommt, beschließen Bianca und Amedeo unterzutauchen. Es kommt durch einen üblen Schachzug zu einem spannenden Showdown, der über Biancas Schicksal entscheidet.
4,5 Sterne