Capitaine Mathieu Dubois und sein Team von der PJ (Police Judiciaire = Kripo) Marseille ermitteln dieses Mal im malerischen Verdon. Dort wurden deutsche Touristen Zeugen eines grausamen Mords. Während sie den Panoramablick vom höchsten Aussichtspunkt genießen wollten, mussten sie dabei zusehen, wie ein vermummter Mann einen anderen auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht in 600 m Tiefe stieß. Dubois und sein Team sollen den Fall übernehmen, unterstützt von Paul Marlier, dem Kommandanten der örtlichen Brigade von Moustiers-Sainte-Marie. Die Saison im Verdon hat gerade begonnen und eine Serie von Überfällen auf junge ausländische Touristinnen beschäftigt die Ortspolizei. Dazu kommen zahlreiche Sachbeschädigungen, wie aufgeschlitzte Reifen und eingeschlagene Autoscheiben, die ebenfalls nur die Urlauber betreffen. Daher ist Marlier erleichtert, dass die Marseiller die Mordermittlung übernehmen. Die Verstärkung trifft gerade ein als der Killer sein nächstes Opfer tötet ...
Anna-Maria Aurel schickt Capitaine Dubois bereits zum fünften Mal auf Verbrecherjagd. Die Ermittlung im Verdon erweist sich als herausfordernd und hat mich spannend unterhalten. "Verborgene Wahrheiten im Verdon" lässt sich auch ohne Kenntnis der vorigen Bände gut lesen.
Wer tötet einen französischen Touristen im Verdon? Die Motivsuche gestaltet sich schwierig. Ein Anhaltspunkt ergibt sich aus der Tatsache, dass der Vater des Mordopfers vor langer Zeit als Chefingenieur den Bau des Verdon-Staudamms leitete. Doch der Ermordete war zuletzt als Teenager in der Region und das ist mehr als 45 Jahre her. Das PJ-Team und Marlier sehen den Mord in Zusammenhang mit dem Beruf des Opfers, er war Topmanager des Energiekonzerns Total und gehörte zur Elite Frankreichs. Doch sein Instinkt sagt Capitaine Dubois, dass das Tatmotiv in der Vergangenheit liegt.
Ich habe den blitzgescheiten Hauptcharakter gern wieder getroffen. Inzwischen hat Mathieu Dubois die schriftliche Aufnahmeprüfung des Kommissarlehrgangs bestanden und sollte eigentlich für die mündliche lernen. Seine Hochzeit mit Mélanie steht unmittelbar bevor und er genießt das Vatersein. Die Stimmung in seinem Team hat sich gebessert, bspw. wird der homosexuelle Florian inzwischen von allen akzeptiert. Lediglich Nadia wird schmerzlich vermisst, sie absolviert die Ausbildung zum Lieutenant in Paris.
Neben den aktuellen Mordfällen und den Delikten gegenüber ausländischen Touristen verfügt der Krimi über weitere Handlungsstränge. In der Vergangenheit wird die Entstehung des Sainte-Croix-Sees thematisiert, dessen Flutung bei einigen Bewohnern des betroffenen Dorfes zur schlecht vergüteten Enteignung führte. In der Gegenwart spielt das Thema "Häusliche Gewalt" eine wichtige Rolle.
Die Autorin wählt mit den "Gorges du Verdon", Europas größter Schlucht, einen spektakulären Schauplatz. 21 Kilometer lang und bis zu 700 Meter tief hat sich der Fluss Verdon zwischen Castellane und dem Lac de Sainte-Croix in den Kalkstein eingegraben. Die Gegend wird als so reizvoll geschildert, dass sich der Koffer fast von allein packt. Überhaupt schreibt Anna-Maria Aurel sehr bildhaft und atmosphärisch. Der Spannungsbogen hält bis auf kleine Längen im Mittelteil bis zum Schluss. Ermittlung und Privatleben der Polizisten befinden sich in einem ausgewogenen Verhältnis. So ist mir schwergefallen, den Krimi aus der Hand zu legen.
Die Morde werden nach einem spektakulären Showdown aufgeklärt. Auch die Täter der anderen Verbrechen werden ermittelt und gefasst. So kann wieder Ruhe im Verdon einkehren. Ich bin gespannt, ob wir Capitaine Dubois in Lyon wieder begegnen werden, wo er seine Kommissarausbildung abschließen wird.
4,5 Sterne von 5