Ich wollte das Buch aufgrund der vielen positiven Rezensionen wirklich mögen, aber irgendwie wollte bis zum Ende der Funke einfach nicht überspringen. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen schlichtweg zu hoch und um ehrlich zu sein, hatte ich auch auf mehr Spannung gehofft. Optisch muss ich leider auch gestehen, dass mir persönlich das Cover nur mittelmäßig gefallen hat. Es ist relativ unspektakulär und sticht einfach nicht aus der Masse heraus.
Dabei fand ich den Anfang noch richtig spannend. Sofort wird man mitten ins Geschehen geworfen und will am liebsten das Buch nicht zur Seite legen. Jedoch wurde meine Euphorie bezüglich des ursprünglichen flüssigen Schreibstils mit jedem weiteren Kapitel immer mehr getrübt. Eine zähe Passage folgte der nächsten. Zwar wird die Polizeiarbeit sehr realistisch abgebildet, aber für meinen Geschmack verlief sich die Handlung immer mehr und ich konnte der Flut an Namen nicht so recht folgen. Es wirkte eher wie ein Abhaken von Befragungen statt wie ein spannendes Rätsel, das mit jeder weiteren Information mehr Licht in den Fall bringt. Genau deswegen blieb die Spannung für mich schlichtweg aus, was wirklich sehr schade ist, da ich den Realismus des Falles eigentlich grandios fand.
Ähnliche Enttäuschung schlich sich auch schnell bei den Protagonisten Emmy und Jude ein. Zum einen konnte ich beide sehr schwer auseinanderhalten und für meinen Geschmack wurde ihr Plot viel zu schnell aufgelöst, ohne im späteren Verlauf wirklich relevant zu werden. Beide waren einfach nur gefühlskalt, sodass sie mir schlichtweg zu blass waren. Sämtliche Dialoge waren zu zäh, gar unnötig. Ich will nicht bis ins kleinste Detail jedes langatmige Gespräch lesen, ohne an neue Informationen zu kommen. Auch wie die Puzzleteile zusammengefügt wurden, war für mich nicht ganz greifbar und sorgte noch mehr für Verwirrung, anstatt das Tempo anzuheben. Vom enttäuschenden Finale will ich erst gar nicht anfangen, da es hier an mehreren Stellen wie beispielsweise Überraschungsmomente gefehlt hat.
Wäre da nicht die tolle Auseinandersetzung mit der Thematik häuslicher Gewalt gewesen, hätte ich das Buch sehr wahrscheinlich abgebrochen. Es wird nicht nur stilvoll auf die Folgen hingewiesen, sondern auch aufgezeigt, wie schwer der Ausbruch aus solch einer gewalttätigen Situation für die Personen selber ist.
Fazit: Wichtige Thematik und ein grandioser Realismus bei der Polizeiarbeit, die am Ende leider von einer trägen Erzählweise, blassen Figuren und fehlender Spannung ausgebremst werden. Wer sehr detaillierte Ermittlungsarbeit schätzt und mit einer flachen Spannungskurve leben kann, wird hier vielleicht fündig. Für mich waren es am Ende leider nur 2,5 von 5 Sternen!