Lex muss Schreckliches durchmachen - mit k.o. Tropfen betäubt, vergewaltigt, schwer misshandelt und dann weggeworfen, findet sie sich nicht nur verletzt und alleine im Wald wieder - sie muss auch feststellen, dass ihrer Geschichte kein Glauben geschenkt wird.
Meiner Meinung nach transportiert das Buch eine unglaublich wichtige Botschaft und thematisiert den sexuellen Missbrauch mit all seinen unschönen Seiten. Die Vorwürfe, mit denen Opfer sich auseinandersetzen müssen, die Angst sich zu öffnen, die Gefühle von Schmerz bis hin zu Wut und auch das ausgegrenzt werden. Die Autorin selbst hat eine solche Erfahrung machen müssen und ich spreche all dem daher eine hohe Authentizität zu.
Mit Luna tritt das Licht in Lex Leben. Privilegiertes Leben, Kapitänin der Feldhockeymannschaft, von allen gemocht und dennoch unglücklich. Durch das Zusammentreffen der beiden gegensätzlichen Frauen können beide zurück zu sich finden. Hier gibt es die starke Botschaft zu sich selbst zu stehen und nicht nur die zu sein, die andere in einem sehen wollen.
Die queere Liebesgeschichte empfand ich als sehr sinnlich, teils auch ungezügelt und wild aber voller intensität. Ich bin eigentlich kein Fan von viel Spice, aber hier hat es mich überwiegend überzeugt - zumindest die ersten Begegnungen waren sehr berührend.
Was die Story insgesamt anbelangt, haben mir die Bezüge zu Medusa sehr gefallen. Ich hätte mir aber etwas mehr Ausgewogenheit in Bezug auf das Gesellschaftsbild gewünscht. Es gab hier schon eine sehr starke Ballung von misshandelten Frauen und übergriffigen Männern an diesem College und dadurch eine recht deutliche Schwarz-weiß-Zeichnung. Auch das Ende hat mir persönlich nicht gefallen, hier ging mir die Authentizität und Sinnhaftigkeit verloren.
Für alle, die intensive, queere Liebesgeschichn mit sehr düsteren Themen und morally grey heroes mögen eine Lektüre wert.