Vor der Kulisse eines Grenzdorfs um die Jahrhundertwende baut Capus seine Geschichte um einen Gasthof und dessen Besitzer auf. Eine kurze Internetrecherche zeigt: Das Dorf Ramsen gibt es heute noch, auch ein Gasthof namens Moskau existierte bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der liebenswerte Besitzer Arnold und seine Familie sind aber wohl erfunden.
Schade eigentlich, denn gerade diese eigenwilligen und liebenswürdigen Personen machen den Roman aus. Arnold kommt durch unerhörtes Spielglück zu Reichtum und verwirklicht seinen Traum eines Gasthofs, denn mit dem Hamsterrad des Arbeiterlebens kann er sich nicht anfreunden. Der bodenständige, friedliebende und gutmütige Gastwirt verliebt sich in Betty, deren Freiheitsdrang zwischenzeitlich übermächtig wird, und die einfach mal mit monatelang ihrem Pferd nach Italien verschwindet. Die älteste Tochter Clara lebt freizügig und selbstbestimmt, streunert am liebsten Tag und Nacht durch Wald und Feld.
Neben den Personen selbst haben mir besonders die amüsanten kleinen Dialoge gefallen, etwa, wenn Arnold mit dem Handwerker Sepp oder seinem granteligen Nachbarn Peter kommuniziert, beide ebenfalls herrliche Charaktere. Peter löst seine Konflikte durch vorsätzliches Durchdrehen und Sepp hält alle um sich herum für Idioten, deren Fehler er selbst natürlich nie begehen würde.
Die Handlung nimmt in der zweiten Hälfte des Buches Fahrt auf, als Clara den Schmuggler Hermann kennenlernt, der vor allem Kaffee und Druckerzeugnisse über die Grenze transportiert. Dieser Hermann wiederum ist eine historische Figur und löst 1933 einen Streit zwischen der Schweiz und dem Deutschen Reich aus, als er beim Schmuggeln erwischt wird. Der Gasthof wird zur Keimzelle einer Bewegung, die bis in die höchsten Regierungskreise wirkt.
Neben sympathischen Hauptpersonen und einem interessanten Stück Geschichte bietet Querfeldein auch einen Einblick in eine Familie, die unkonventionelle Persönlichkeiten vereint und die zeigt, wie es funktionieren kann, dass man zusammenwächst, obwohl jeder seine Freiheiten behält.