Kennt ihr das Gefühl, wenn es von einem eurer Lieblingsbücher unerwartet eine Fortsetzung gibt? Ich liebe den Jugendthriller Cryptos, die Dystopie mit den vielen virtuellen Welten, die für Jana Pasco plötzlich zur tödlichen Falle werden. Diese Idee bietet so viel Potential, entsprechend habe ich Canvas regelrecht entgegen gefiebert.
Die Handlung von Band 2 beginnt einige Monate nach Band 1: Die Bevölkerung flieht weiterhin vor unwirtlichen Lebensbedingen in die virtuellen Welten von Mastermind, während Wissenschaftler nach einer Lösung zur Rettung des Klimas und der Menschheit suchen. Ebenso wird in den Designcentern weiterhin an neuen virtuellen Welten gebastelt. In Janas Welt Canvas, eine Art virtuelle Jobbörse, kann man jetzt z. B. nach Statistenjobs suchen, über die man sich die erforderlichen Punkte für die Weltenpässe verdienen kann. Plötzlich häufen sich jedoch auffällige Fehler in einigen Welten, und Vertreter der Alpha-Elite wollen ihre kürzliche Niederlage nicht einsehen und holen zum erneuten Gegenschlag aus. Zeit für Jana und ihre Freunde aus Designcenter 12, was zu unternehmen.
Die Handlung spielt diesmal nicht nur in bereits bekannten sowie neuen Welten, sondern zum Teil auch in der Realwelt. Diesmal empfand ich die Umweltextrema etwas eingehender beschrieben als in Band 1, es fühlte sich bedrohlicher an, diese ganze Hitze und was das mit einem macht. Zwar ist Band 2 ein neues Abenteuer, mit der Vorkenntnis von Band 1 ist jedoch vieles verständlicher wie z. B. die Hintergründe zu einigen Charakteren oder der Aufbau von Janas alten Welten. Ohne diese Hintergründe fehlt Canvas an manchen Stellen einfach die Tiefe. Ansonsten hat Jana ihren Hang dazu, spontane Alleingänge zu unternehmen, nicht abgelegt; sie handelt eben, während andere noch das Für und Wider diskutieren. Darüber kann man denken, was man will, ich finde, ihre Hals-über-Kopf-Aktionen bringen die Gruppe manches Mal entscheidend voran. Auch wenn ich nicht selten echt Sorge um Chaos-Jana hatte.
Abwechslung und Spannung bietet Canvas ebenso wie interessante Hintergründe, skrupellose Gegner und Überraschungen, die es auch mal in sich haben. Und das sowohl in der virtuellen wie auch in der realen Welt. Auch das Cover ist ein Highlight mit der schwebenden Welt ähnlich zum ersten Cover, den vielen Thumbnails für die virtuellen Welten sowie natürlich dem Symbol mit Taube und Pfeil (als Anlehnung an Cryptos). Dem ersten Band steht Canvas in Nichts nach; wer auf den vollen Lesegenuss nicht verzichten mag, dem empfehle ich, Band 1 vorweg zu lesen, um sämtliche Anspielungen und Bezüge zu verstehen. Dann haltet ihr mit Canvas wirklich ein sehr geniales Lesevergnügen in euren Händen!