Was wäre, wenn du jeden Moment deines Lebens ein zweites Mal erleben könntest? Genau diese außergewöhnliche Gabe entdeckt Alfie bereits mit acht Jahren. Ein unbedachter Satz, eine peinliche Situation oder eine falsche Entscheidung vieles lässt sich einfach zurückdrehen und noch einmal versuchen. Doch der zweite Anlauf zählt. Für alles, was danach kommt, gibt es keine weitere Korrektur. Und ausgerechnet dort, wo die Gefühle am größten sind, stößt Alfie an die Grenzen seiner Fähigkeit: Als er Gianna kennenlernt und sich verliebt, wird aus seinem vermeintlichen Geschenk eine Herausforderung, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellt.
Ich hatte ziemlich schnell das Gefühl, hier etwas zu lesen, das sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt. Die Idee ist clever, ungewöhnlich und bietet so viel Raum für Gedanken, ohne dabei verkopft zu wirken. Was würde man selbst anders machen, wenn man eine zweite Chance bekäme? Welche Entscheidungen würde man korrigieren, welche Worte lieber zurücknehmen? Und wäre am Ende wirklich alles besser, nur weil man manches noch einmal erleben darf?
Die Geschichte entwickelt dabei eine ganz eigene Spannung. Keine, bei der man nervös auf die nächste Wendung wartet, sondern eine, die sich nach und nach aufbaut und einen emotional immer stärker mitnimmt. Man möchte wissen, wie Alfie mit seiner Gabe umgeht, welche Entscheidungen er trifft und wohin ihn seine Versuche führen. Seine Überlegungen und Reaktionen konnte ich gut nachvollziehen, gerade weil sie nicht immer perfekt oder vernünftig sind. Schließlich handeln wir im echten Leben auch nicht immer so, wie wir es im Nachhinein gern getan hätten.
Auch der Aufbau hat für mich wunderbar funktioniert. Die einzelnen Wiederholungen wirken nicht wie ein bloßer erzählerischer Trick, sondern haben ihren Sinn und verändern den Blick auf das Geschehen. Mit jedem erneuten Versuch wird deutlicher, dass man zwar vieles korrigieren kann, aber längst nicht alles kontrolliert. Vor allem die Verbindung zwischen Alfies Gabe und seiner Beziehung zu Gianna verleiht der Geschichte eine emotionale Tiefe, die weit über die originelle Grundidee hinausgeht.
Ich habe jede Zeile genossen, weil der Roman etwas Eigenes mitbringt. Er ist zugänglich und leicht zu lesen, ohne oberflächlich zu sein, und schafft es, große Fragen über Liebe, Entscheidungen und die Endlichkeit des Lebens ganz unaufdringlich in seine Handlung einzubauen. Dabei gab es für mich immer wieder Momente, die nachklingen, weil sie einen unweigerlich über das eigene Leben nachdenken lassen.