Dass heute fast ausschließlich Backbücher auf den Markt kommen, die von Influencern gebastelt wurden, ist ja eine Sache. Die andre aber, wenn es in Selbstdarstellung ausufert. Hier sind fast mehr Bilder der Autorin zu sehen, als Backwerke! Glaube ich wirklich, dass sie so gestylt und in Sommerkleidchen in der Backstube schuftet. Nö. Sorry, aber hier fängt es dann schon mal an, mich nicht wirklich für sich zu gewinnen, sondern zu nerven, denn statt dieser Bilder und der Personal Story mitsamt Ich-bin-ja-sooo-toll hätte ich doch lieber Rezepte gesehen.
Die fangen dann auf Seite 26 an und sind unterteilt in die Kapitel Cookies; Brownies; Bars; Sheet Cakes. Schon beim ersten Rezept fällt mir eine Zutat auf, die ich nicht zu Hause habe und auch noch nicht im Handel gesehen habe, nämlich Himbeerpulver. Da hilft mir auch nicht, dass es den Tipp gibt, gefriergetrocknete Himbeeren zu Pulver zu zermahlen, wenn ich keins habe. Ich habe nämlich auch keine gefriergetrockneten Himbeeren! Auch bei der gesalzenen Butter und diversen Gewürzen bin ich raus. Schade also auch hier. Die Zutaten sind teilweise einfach nicht wirklich gut zu bekommen, wo Anfänger dann schon mal vor echten Problemen stehen. Dass Tiefkühlbeeren ungekocht verwendet werden, lasse ich mal unkommentiert. Vielleicht bin ich da durch die aktuellen Rückrufe und Warnungen übersensibel.
Jedes Kapitel startet mit einem etwas längeren Text, der helfen will, alles besser zu verstehen, theoretisches Wissen zu vermitteln und Probleme verhindern soll. Die Rezepte selbst sind recht übersichtlich gestaltet. Es finden sich nach einem kleinen Geschichtchen der Autorin relevante Angaben zu den Zeiten, die Zutatenliste für die angegebene Menge/Portionen, nummerierte Arbeitsschritte im Fließtext und ggf. ein Tipp. Hier fällt mir schon wieder etwas negativ auf, nämlich dass einige Wörter ohne erkennbaren Grund fett geschrieben sind, die fehlenden Absätze das Lesen erschweren und die Backtemperatur mitten im Text steht, nicht prominent aufgeführt. Zu jedem Rezept gibt es ein Foto des fertigen Backwerks, alle paar Seiten dann noch zusätzlich ein paar von der edel gestylten Influencerin.
Die Rezepte selbst sind moderne Varianten und Abwandlungen bekannter Backwaren. Beispielsweise werden aus der klassischen Schwarzwälder Kirschtorte kurzerhand Black Forrest Brownies. Das ist nichts Schlechtes. Dass aber alles englisch betitelt sein muss, ist ein bisschen nervig. Wer gerne backt und etwas Übung hat, findet auf alle Fälle tolle Ideen und Anregungen. Für Anfänger halte ich die Rezepte eher nicht geeignet.
Den Abschluss bilden die Kapitel Insiderwissen aus meiner Backstube (also der Autorin), natürlich nicht ohne jede Menge Fotos von ihr, und ein Rezeptregister. Letzteres ist etwas unglücklich geraten, denn wenn man die Bezeichnungen der Autorin nicht kennt, findet man auch nicht das richtige Rezept.
Zusammenfassend bleibt mir zu sagen, dass die Rezepte mit kleinen Abstrichen richtig cool sind, das Drumrum aber nervt und bei den Zutaten, gerade dem TK-Obst, ein kleines Problem große Auswirkungen hat. Daher gebe ich hier drei Sterne.