In seinem Romandebüt Wildboden erzählt Constantin Lieb, seine historisch gut rechercherierten Fakten über den deutschen expressionistischen Künstler Ernst Ludwig Kirchner und seiner Lebengefährtin Erna Schilling und verwebt diese feinfühlig mit Fiktion.
1936, Frauenkirch, inmitten der Schweizer Alpen, unweit von Davos: Umgeben von majestätischen Bergen und wortkargen Bauern führen Erna Schilling und der Maler Ernst Ludwig Kirchner in einem Bauernhaus auf dem Wildboden, dem sogenannten Wildbodenhaus, zurückgezogen ein Leben in enger Verbundenheit. Beide leiden unter den Dorfbewwohnern, die ihnen selbst nach 15 Jahren immer noch mit Skepsis, begegnen.
Erna Schilling leidet immer wieder unter Depressionen, sie fühlt sich im Wildbodenhaus einsam und hat oft Heimweh nach Berlin. Doch sie rafft sich auf, denn während Kirchner sich ganz seiner Kunst widmet, hält sie ihm den Rücken frei, kümmert sich um den Haushalt und das Geschäftliche. Kirchner hatte sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger gemeldet und wurde nach einem nervlichen Zusammenbruch beurlaubt. Zur Folge geriet er in eine Abhängigkeit von Medikamenten und später von Morphium. Seine Umwelt und selbst Erna, betrachtet er immer misstrauischer.
Die politische Situation in Deutschland wirft immer dunklere Schatten und als Kirchners Werke 1937 von den Nationalsozialisten aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt und als Teil der Ausstellung Entartete Kunst diffamiert werden, verletzt ihn das sehr. Kurz darauf schließt ihn dann auch noch die Preußische Akademie aus, der er erst 1931 beigetreten war. Dann der Anschluss Österreichs an Deutschland am 13. März 1938 schürt Kirchners Angst vor einer deutschen Invasion der Schweiz.
Sein Morphiumkonsum und die drohende Zerstörung ihrer Exixtenz werden für Erna zur fast unerträglichen Zerreißprobe und sie kann die drohende Tragödie nicht verhindern. Als sie mit Kirchner den Menschen, dem sie sich bedingungslos verbunden fühlt, endgültig verliert, muss sie ihr Leben radikal überdenken und selbstbestimmt um die eigene Zuversicht und Zukunft kämpfen.
Fazit:
Mit Wildboden, ist dem Autor ein fesselndes und atmophärisches Debüt über Ernst Ludwig Kirchner und seiner Lebensgefährtin Erna Schilling, hervorragend gelungen. Der egozentrische Kirchner ist schwierig und demütigt Erna oft mit verletzender Herablassung während sie gegen ihre eigenen Depressionen kämpft und dabei noch versucht ihn zu retten. Die Charaktere sind für mich glaubhaft und authentisch dargestellt.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung für dieses beeindruckende Debüt!