Weder die Autorin Anett Diell noch der in der Nähe von Freiburg im Breisgau gelegene Kurort Bad Krozingen sind mir bislang ein Begriff gewesen. Nun ist diese Bildungslücke geschlossen.
Worum gehts?
Bad Krozingen gilt als beschauliche Kleinstadt, in der wenig weltbewegendes passiert. Und ausgerechnet dorthin hat man KHK Jeremias Killick strafversetzt, was ihn dauerhaft missmutig sein und mit Gott und der Welt hadern lässt. Dabei hat er seine Strafversetzung sich selbst zuzuschreiben - was genau vorgefallen ist, erfahren wir Leser peu à peu beim Lesen.
Als er dann zu einer Hochleistungssportlerin, die tot am Ende ihrer, zugegeben steilen, Kellertreppe liegt, gerufen wird, tendiert er ebenso wie der Notarzt zu einem Unfall. Doch die, wie aus dem Nichts erscheinende Tatortreinigerin Jule Vögelein, behauptet steif und fest, dass hier jemand nachgeholfen hat. Der Versuch, Killick von ihre Beobachtungen zu überzeugen, ist vorerst vergeblich, denn der hält sie für überspannt. Allerdings ist auf den verwackelten Fotos, die der Aushilfsfotograf der Dienststelle angefertigt hat, wenig zu sehen ist, was zusätzlich seine Zornesader schwellen lässt.
Kurze Zeit später wird Killick zur nächsten Leiche gerufen und wieder macht ihn Jule auf die präzise Anordnung von Leiche und Umgebung aufmerksam. Diesmal schenkt er Jules Ausführungen Gehör und hat endlich mehr zu tun, als Parksündern Tickets zu verpassen.
Meine Meinung:
Dieser Krimi, der dem Vernehmen nach, Auftakt zu einer neuen Reihe sein soll, hat mir sehr gut gefallen. Zunächst sind da einmal die gelungene Mischung aus Krimi, Humor und dem kleinstädtischen Flair des Kurortes Bad Krozingen, und zum anderen die höchst unterschiedlichen Protagonisten Jule Vögelein und Jeremias Killick.
Obwohl Killick, stets auf Krawall gebürstet ist, ist er mir nicht unsympathisch. Am liebsten würde er sich selbst in den Hintern beißen, was er aber natürlich nicht zugeben kann. Jule finde ich entzückend. Sie steht zu ihrer Monkhaftigkeit, die sie auf den ersten Blick Details erkennen lässt, die andere übersehen. So macht kann sie Killick auf bestimmte Muster aufmerksam, die die Kriminaltechnik erst nachmessen muss. Ist der Täter auch ein Zwängler wie Jule?
Jedenfalls sorgen die beiden, die dasselbe Ziel verfolgen, nämlich den Täter zu finden, für zahlreiche herzerfrischende Dialoge, wobei manchmal auch aneinander vorbei geredet wird, was nicht nur am alemannischen Dialekt, den Killick kaum versteht, liegt. Apropos Dialekt - der wird zur Auflockerung sparsam eingesetzt. Eine Übersetzung ins Hochdeutsche ist am Ende des Krimis nachzulesen.
Die Jagd nach dem Mörder führt hin und wieder in eine Sackgasse, ist allerdings stellenweise recht turbulent und fesselt bis zum Schluss. Ich gebe zu, recht bald einen Verdacht gehabt zu haben, der sich als richtig erwiesen hat.
Kurz habe ich mich darüber gewundert, dass die Tatortreinigerin so kurz nach dem Auffinden eines Mordopfers, den Tatort reinigen darf. Ich hätte, aus den Dienstvorschriften des österreichischen Kriminalpolizei in Erinnerung, dass eine solche Reinigung, manchmal erst Wochen später erfolgen kann. Ich verbuche das unter künstlerische Freiheit.
Auch wenn dieser Krimi zu Beginn eventuell den Eindruck erwecken könnte, auf Slapstick ausgerichtet zu sein, wird nach kurzer Zeit ernsthaft ermittelt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem perfekter Einstieg in eine neue Krimi-Reihe, deren Fortsetzung hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.