Cover & Klappentext
So gut das Cover auch zum Inhalt passen mag, konnte es mich nicht begeistern. Wäre mir die Autorin nicht aufgefallen, hätte ich das Buch womöglich übersehen.
Das liegt vermutlich vor allem an den gedeckten Farben und der Illustration. Aber das ist Geschmackssache. Letztendlich kommt es auf den Inhalt an.
Der Klappentext hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht, bedingt durch die Autorin. Es ist nicht mein erstes Buch von ihr, daher war ich gespannt, was mich hier erwartet.
Allerdings hätte ich mit etwas anderem gerechnet. Der Inhalt ist erstaunlich vielschichtiger als vermutet.
Meinung
Die junge Hexe Fiara fristet ihr Leben einsam und gefangen in einem Bannkreis, bis eines Tages drei riesige Wölfe ihre Schutzzauber sprengen. An ihrer Seite der letzte Wolfsreiter. Cealan begegnet ihr anfangs mit Hass. Kein Wunder. Gelten Hexen als bösartig, intrigant und gefährlich. Doch auch Fiara ist alles andere als begeistert, ihren Hain mit einem Fremden zu teilen.
Als äußere Umstände die beiden zwingen, zusammenzuarbeiten, sieht Cealan in Fiara eine Möglichkeit, gegen die Hexenkönigin vorzugehen, die alle magischen Wesen vernichten will. Dabei wird aus Ablehnung Anziehung, was diverse Probleme mit sich bringt.
Überwiegend aus der Sicht von Fiara wird man durch das Geschehen geführt, unterbrochen von kurzen Sequenzen in der personalen Erzählperspektive mit Cealan im Fokus.
Der Einstieg gelingt aus zweierlei Gründen spielend leicht. Zum einen wäre da der geschmeidige Schreibstil, der im Ausdruck und der Wortwahl ideal an die Protagonisten angepasst wurde. Er trägt die Handlung, sodass man sich perfekt auf den Inhalt konzentrieren kann.
Zum anderen wird man quasi sofort mit einer spannenden Szene konfrontiert.
Und während Fiara sich mit den ersten Problemen herumärgert, lernt man sie langsam kennen. Das geschieht ganz ohne Beschreibungen, sondern nur aufgrund ihrer Reaktionen. Das hat mir sehr gefallen.
Fiara ist alles andere als liebreizend. Sie ist auch nicht schüchtern, zurückhaltend oder unterwürfig. Stattdessen weiß sie sich zu behaupten. Der eigene Schutz steht an erster Stelle. Aber erkennt man, was sie alles durchmachen musste, versteht man sie.
Zudem bleibt es auch nicht so.
Cealan hätte ich vermutlich auch versucht, loszuwerden. Obwohl seine ablehnende Art nachvollziehbar ist, im Nachhinein, ist er auch kein Sympathieträger.
Beide Hauptprotagonisten tragen Narben aus der Vergangenheit, und es dauert lange, bis sie sich aneinander gewöhnen. Das geschieht sehr langsam und ist damit umso glaubwürdiger. Währenddessen tauen die beiden allmählich auf.
Nicht zu vergessen die drei Wölfe, die locker als Charaktere durchgehen. Sie geben der Handlung etwas zusätzlich Besonderes. Es dauert nicht lange, bis man sie lieb gewinnt. Vor allem Nianuk hat es mir angetan.
Es ist erstaunlich, wie lange eine Geschichte mit nur zwei Protagonisten auskommen kann. Das ist der Autorin grandios gelungen. Man sollte meinen, dass es dadurch zu Längen kommt, aber weit gefehlt. Es geschehen so viele Dinge, dass das Tempo konstant hoch bleibt, jedoch nicht so rasant, dass wichtige Emotionen auf der Strecke bleiben. Es gab auch ruhige Momente, Schlüsselszenen, die gut herausgearbeitet wurden, langsam wachsende Zuneigung, Verzweiflung, Angst, Panik. Der erste Teil von Witches & Wolves war eine emotionale Herausforderung.
Anfangs hatte ich mir unter der Geschichte etwas anderes vorgestellt. Hexen und Wölfe wurde schon zur Genüge thematisiert, sodass ich etwas skeptisch war. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Der Autorin ist es gelungen, beide Fantasiewesen in einen anderen Kontext zu setzen. Dadurch ist etwas komplett Neues entstanden.
Natürlich finden sich noch andere übernatürliche Wesen, die aber eher eine untergeordnete Rolle spielen. Noch? Da es erst der Auftakt war, kann und wird noch einiges passieren, was mich ungeduldig auf die Fortsetzung warten lässt. Nicht zuletzt durch den Cliffhanger, der Böses prophezeit.
Fazit
Nach den Drachen kommen die Wölfe.
Aber auch hier kann die Autorin glänzen. Sie überzeugt mit einem außergewöhnlichen Setting (der Hexenhain hat es in sich) und überraschend vielen Spannungselementen, die den Leser teilweise eiskalt überraschen.
Ich vergebe viereinhalb Sterne, die ich auf fünf aufrunde, sowie eine unbedingte Leseempfehlung.