Im kleinen Ort Concordia, in der Nähe von Washington, führen die Frauen in der Regel ein geordnetes, häusliches Leben zwischen Kindern, Küche und Kirche. Auch Margaret Ryan gehört dazu. Alles ist strukturiert und reglementiert, selbst die Pflanzen im eigenen Vorgarten werden vorgeschrieben. Als die auffällige Charlotte in den Ort zieht, fühlt sich Margaret von ihr fasziniert und beschließt, Charlotte zu ihrem Buchclub einzuladen, den sie neu gründen will. Charlotte willigt unter der Bedingung ein, dass man das Werk Der Weiblichkeitswahn von Betty Friedan lesen solle, ein bahnbrechendes Werk über Feminismus. Margaret stimmt zu, das Buch wird gelesen und im Lesezirkel diskutiert. Auch wenn es nicht das letzte Buch bleibt, dass die vier Frauen lesen, dieses erste sollte ihrem Buchclub den Namen geben und das Leben aller verändern.
Ich liebe diese vier Frauen! Selten habe ich ein so berührendes Buch voller Emotionen, humorvoller Momente und spritziger und tiefsinniger Dialoge gelesen. Wie sich die vier jede für sich entwickeln und emanzipieren, wie sie zusammenwachsen und füreinander einstehen und wie sie letztlich ihr Leben Schritt für Schritt selbst in die Hand nehmen, ist einfach wundervoll beschrieben und geht zu Herzen. Die Autorin hat einen wunderschönen, sehr eigenen Stil, emotional, ohne kitschig zu sein, warmherzig mit viel Liebe zum Detail, ohne weitschweifig zu werden. An den richtigen Stellen spannend, berührend, lustig und auch wütend machend. Bei diesem Buch kommt an keiner Stelle Langeweile auf, im Gegenteil, ich hätte ewig weiterlesen können.
Die Geschichte, in der Printausgabe mit sehr hübschem Farbschnitt, ist unterteilt in 40 Kapitel mit treffenden Überschriften. Inhaltsverzeichnis gibt es keins, dafür einen Fragenkatalog zur Diskussion des Buches im eigenen Buchclub, was ich sehr originell fand. Die Perspektiven wechseln zwischen den vier Buchclubmitgliedern Margaret, Charlotte, Vivian und Bitsy. Margaret scheint mir zwar den Löwenanteil einzunehmen, doch erfährt man über sie und ihre Familie, ihr Seelenleben, ihre Ängste genauso viel wie bei den anderen Frauen. Vom Alter her bewegen sich die vier zwischen Anfang 20 und Anfang 40 und repräsentieren mit ihrem Leben das Ideal der amerikanischen Mittelschichtfamilie in den 1960er Jahren, in der von der amerikanischen Frau nur eines erwartet wurde: heiraten, Kinder kriegen, Haushalt führen und Familie umsorgen. Nicht mehr, nicht weniger. In der Welt des konservativen Amerika hat die Frau Vorbilder wie Doris Day und Jacqueline Kennedy. Doch der Wandel beginnt tief im Inneren von Frauen wie Margaret, die spürt, dass sie mehr will und mehr kann und die große Erfüllung in einer Aufgabe außerhalb des ihr zugewiesenen häuslichen Bereiches findet.
Je mehr die Geschichte voranschreitet, umso mehr dringt man in das Leben der Frauen ein und schaut hinter die Fassade der Gutbürgerlichkeit und des Spießertums. Sehr gut fand ich, dass das Buch von Betty Friedan auch kritisch beleuchtet wird, es wird nämlich nur die weiße Mittelschicht behandelt. Auch Männer bleiben außen vor. Dies passiert in diesem Buch aber nicht. Die Veränderungen, die die vier Frauen durchleben, betrifft aber ihre Männer unmittelbar und heftig und nicht jede Ehe übersteht die Umwälzungen.
Ein weiterer großer Pluspunkt sind die Charakterbeschreibungen der Figuren, die Autorin gibt ihnen Tiefe und Vielschichtigkeit. Sie sind mit ihren Ängsten, Zweifeln und dem mitunter polarisierenden Verhalten nicht immer alle uneingeschränkt sympathisch, aber gerade das macht sie zutiefst menschlich.
Die Emanzipation der vier Frauen vollzieht sich im Übrigen parallel zu den politischen Umwälzungen in den der USA. Martin Luther King kämpft für Bürgerrechte, Frauen treten in allen Bereichen aus dem Schatten der Männer und leisten Großes. In Margarets Zirkel erfährt die eine mehr, die andere weniger große Veränderung, aber alle finden ihren Weg und lernen voneinander, Ängste zu überwinden, füreinander einzustehen und sich zu behaupten. Mein persönliches Highlight war übrigens die Entwicklung von Charlotte, ein Freigeist, die gefangen ist in einem goldenen Käfig, gedemütigt von Eltern und Ehemann, die sich aber ihre Prinzipien erhält und herrlich Rache nimmt.
Fazit: Unbedingt lesen! Das beste Buch, das ich bislang dieses Jahr in den Händen hatte. Lasst euch auf diese Frauen ein und lebt mit ihnen mit, sie sind es wert!