Wir waren Wunder von Stefan Cordes hat mich so gefesselt, dass ich es an einem einzigen Tag durchgelesen habe. Das Cover ist wunderschön und fängt die Atmosphäre des Buches ein.
Stefan Cordes ist hier eine wunderbare und erschütternde Darstellung der historischen Familienverhältnisse rund um das Genie Wolfgang Amadeus Mozart und seine hochbegabte Schwester Mariann gelungen. Stefan Cordes schafft es, die historische Distanz zu überbrücken, sodass man den Schmerz, die Ohnmacht, aber auch die Faszination für die Musik hautnah miterlebt. Die tiefgründige Recherche und sein packender Schreibstil machen das Buch zu einem Highlight.
Im Zentrum steht die toxische Beziehung zum narzisstischen Vater Leopold. Es ist bewegend beschrieben, wie größenwahnsinnig dieser Mann agierte und was er seinen Kindern bereits im zarten Alter von 6 und 12 Jahren abverlangte. Sie funktionierten wie Marionetten seines Erfolgsdrangs.
Besonders emotional hat mich das Schicksal der Frauen berührt. Das Buch führt uns schmerzhaft vor Augen, wie rechtlos Frauen zu dieser Zeit waren. Mariann, selbst ein musikalisches Genie, durfte nicht komponieren. Ihre Mutter musste bedingungslos mitreisen, und all ihre berechtigten Einwände gegen die wahnsinnigen Geldausgaben des Vaters wurden einfach ignoriert. Auch das Schicksal von Marianns bester Freundin, die von ihrem eigenen Vater einfach weggesperrt wurde, zeigt die bittere Realität der damaligen Gesellschaft und lässt einen beim Lesen fassungslos zurück.
Stefan Cordes schafft es, die historische Distanz zu überbrücken, sodass man den Schmerz, die Ohnmacht, aber auch die Faszination für die Musik hautnah miterlebt.
Eine tief berührende, aufwühlende Geschichte über Narzissmus, Patriarchat und das Schicksal zweier Wunderkinder.
Das Buch empfehle ich Menschen, die sich für Mozarts Geschichte interessieren, aber auch Menschen, die sich für die Rolle der Frauen im Wandel der Zeiten interessieren