
Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts besaß Moral genug, im frühkapitalistischen Staat nach sozialen Reformen zu rufen, war aber nicht bereit, sich ihre Moralbegriffe selbst satirisch durchlöchern zu lassen. Und genau das tut Mandevilles Lehrgedicht: Es behauptet, dass sich mit kleinbürgerlichen Tugenden wie Genügsamkeit und Friedfertigkeit kein Staat machen lässt, ja auch kein Fortschritt und keine Prosperität erzielt werden kann. Für die Segnungen der modernen Zivilisation braucht es - hört! hört! - den Luxus, die Verschwendung und - so der Gipfel der gereimten Provokation - die Ausbeutung.
Kein Kapitalismus ohne das Streben nach Reichtum, kein wirtschaftliches Wachstum ohne Laster. Aber auch im Umkehrschluss gilt: Fortschritt und prosperierende ökonomische Systeme sind nur dann zu erzielen, wenn man bereit ist, unschöne und unedle Triebkräfte in Kauf zu nehmen. Auf den Punkt gebracht: Ein 'guter' Kapitalismus, einer mit menschlichem Antlitz, ist keiner - die Lösung kann für eine am Gemeinwohl orientierte Gesellschaft nur in der Lenkung der kapitalistischen Urgewalten bestehen und nicht in deren Befriedung.
Es wurden noch keine Bewertungen abgegeben. Schreiben Sie die erste Bewertung zu "The Fabel of the Bees. The Grumbling Hive / Die Bienenfabel" und helfen Sie damit anderen bei der Kaufentscheidung.