Was muss passieren, dass man alles aufgibt? Sein Leben. Seine Familie. Alle Erinnerungen. Die Liebe. Was muss passiert sein, um seine ganze Vergangenheit auslöschen zu lassen? Und was macht es mit den Menschen, die man auslöscht, hinter sich lässt, alleine lässt. Die, die diese Erinnerungen noch haben. Das habe ich mich bereits beim Lesen des Klappentextes gefragt.
Der Roman ,Genug für ein halbes Leben' thematisiert genau dieses. Man schwankt zwischen Hoffnungen, Neuanfängen und einer Vergangenheit, die Rose einholt. Die Grundidee des Buches war wirklich interessant und verlockend. Rose, die alles vergessen hat und Landon, der nichts vergessen kann. Schon vor dem Lesen war ich neugierig, wie diese ganze Grundthematik umgesetzt wird. Hier wurde man grundsätzlich nicht enttäuscht und es wurde plausibel und nachvollziehbar erklärt - soweit man eine Vergessenspille als realitätsnah bezeichnen kann. Man bekommt eine Achterbahn aus unterschiedlichen Gefühlen präsentiert, wobei sich eine unterschwellige Traurigkeit wie ein Schleier durch das gesamte Buch zieht.
Das Buch erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen - damals (1. Kennenlernen) und heute (2. Kennenlernen). Die Charaktere und deren Gefühle sind authentisch. Man hofft und fühlt mit beiden mit. Man kann sich in beide hineinversetzen und ihre Beweggründe nachvollziehen, wobei aber beide dies nur aus ihrer eigenen Perspektive betrachten und nicht sehen, was sie dabei dem Anderen antun. Ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, ob und wann Landon sich verrät und ab wann Rose merkt, dass die zwei eine Vergangenheit haben, die Rose vergessen wollte.
Das Cover ist passend zum Inhalt des Romanes mit den zwei Schatten, die da sind, aber doch verschwommen - wie Rose's Vergangenheit. Der Schreibstil ist locker und flüssig zu lesen.
Insgesamt ist es ein trauriges, emotionales Buch, dass mit schwierigen Themen spielt. Hier wäre eine Triggerwarnung angebracht. Trotzdem habe ich mehr oder etwas anderes erwartet. Mir fehlt trotz der Emotionalität der Themen die Leichtigkeit, die schönen Momente und Hoffnung. Es zeigt aber sehr gut, zu was Trauer einen führen kann.