Ellie ist zwölf Jahre alt, als sie mit einem Boot zu einer kleinen Insel vor der kanadischen Küste paddelt und dort Clay begegnet, einem geheimnisvollen, schweigsamen Mann. Als sie nach wenigen Stunden wieder auf das Festland zurückkehrt, sind plötzlich sieben Tage vergangen. Die Insel ist verschwunden und Ellie kann dieses Erlebnis nie ganz vergessen.
Saltwell Island taucht immer wieder in den Erzählungen verschiedener Menschen auf, die sie an unterschiedlichen Orten gesehen haben wollen.
Zwei Jahrzehnte später führt Ellie als Psychotherapeutin ein völlig anderes Leben. Als eine Journalistin sie kontaktiert, weil die Insel erneut gesichtet wurde, wird ihre alte Erinnerung wieder lebendig. Ellie fragt sich, ob ihre Erlebnisse als Kind tatsächlich real waren und macht sich auf die Suche nach Saltwell Island. Dabei ahnt sie noch nicht, dass die Rückkehr auf die Insel nicht nur Antworten auf ihre Fragen bringen, sondern ihr gesamtes Leben verändern wird.
Shea Ernshaw schafft beim Lesen eine schöne, entspannte Atmosphäre. Ich hatte häufig das Gefühl, selbst vor Ort zu sein. Vor allem das Meer, die Natur und die Abgeschiedenheit der Insel werden so eindringlich vermittelt, dass ich mich sehr gut in diese besondere Welt hineinversetzen konnte.
Die Gefühle zwischen Ellie und Clay entwickeln sich langsam, bis daraus eine tiefe, innige Liebe entsteht. Gleichzeitig fällt Ellie die Entscheidung für dieses Leben nicht leicht. Sie muss sich zwischen ihrer vertrauten Welt und dem Leben auf Saltwell Island entscheiden, wo sie mit Clay in einem alten Farmhaus lebt und auf nahezu alle Annehmlichkeiten der modernen Zeit verzichtet. Kein Strom, keine Zentralheizung, kein Fernsehen, keine Läden, keine Kultur und Unterhaltung, keine ständige Ablenkung. Stattdessen ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur.
Gerade dieser Gegensatz hat mich während des Lesens immer wieder beschäftigt.
Denn neben der Liebesgeschichte steckt für mich auch eine interessante Frage in diesem Roman. Brauchen wir wirklich all den Komfort, die ständige Erreichbarkeit und die vielen Möglichkeiten zur Zerstreuung, um glücklich zu sein? Die Liebe zum Meer und die Vorstellung eines so einfachen Lebens haben etwas ungemein Beruhigendes. Ohne den Stress, den moderne Medien verbreiten können, und mit einer stärkeren Verbindung zur Natur scheint plötzlich vieles weniger wichtig zu werden.
Ich habe mich dabei unwillkürlich gefragt, ob ein solches Leben nicht tatsächlich glücklicher machen kann. Genau diese Gedanken haben die Geschichte für mich über die eigentliche Liebesgeschichte hinaus interessant gemacht.
Die Launen des Meeres ist ein besonderer, stiller Liebesroman, der mit viel Atmosphäre und Gefühl punktet. Die Autorin verbindet die Sehnsucht nach dem Meer und nach einem entschleunigten Leben mit einer schönen Liebesgeschichte.
Fazit:
Eine ruhige und atmosphärische Liebesgeschichte, die nicht nur von einer außergewöhnlichen Liebe erzählt, sondern auch dazu anregt, über den Wert von Einfachheit, Natur und einem Leben jenseits der ständigen Ablenkung nachzudenken.