Eine Katze, neun Leben und mehr als hundert Jahre Geschichte. Die Idee hinter diesem Buch ist ungewöhnlich und hat mich direkt neugierig gemacht. Grimalkin ist dabei eine Figur, die man einfach mögen muss. Er beobachtet die Menschen, erlebt den Wandel der Zeit und betrachtet vieles auf seine ganz eigene, herrlich katzenhafte Weise. Gerade seine Gedanken haben mir immer wieder ein Lächeln entlockt.
Echt faszinierend und wirklich gut beschrieben fand ich, wie sich die Veränderungen nicht nur an technischen Entwicklungen zeigen, sondern auch an Sprache, Gewohnheiten und dem Zusammenleben der Menschen. Gleichzeitig steckt hinter Grimalkins Beobachtungen immer eine gewisse Melancholie. Er sieht Menschen kommen und gehen, während er selbst bleibt. Manche Begegnungen sind leicht und humorvoll, andere berühren, und gerade diese Mischung macht für mich den Charme des Buches aus.
Allerdings hatte ich auch leichte Schwierigkeiten mit dem Aufbau. Durch die vielen Episoden und Zeitsprünge fehlt mir stellenweise ein stärkerer roter Faden. Einige Geschichten hätte ich gerne länger begleitet, bevor es schon wieder weiterging. Dadurch wirkte manches etwas oberflächlich und stellenweise zog sich das Lesen für mich. Genau das wird auch in englischsprachigen Rezensionen unterschiedlich empfunden: Während einige die episodenhafte Erzählweise mögen, vermissen andere eine stärker zusammenhängende Handlung.
Trotzdem sind mir viele kleine Momente im Gedächtnis geblieben. Es ist für mich ehrlich gesagt kein Buch, das durch Spannung oder große Wendungen lebt, sondern durch Atmosphäre, historische Einblicke und einen außergewöhnlichen Protagonisten. Nicht jede Episode hat mich gleichermaßen erreicht und etwas mehr Tiefe hätte ich mir auch ab und zu gewünscht. Aber Grimalkin ist mir ans Herz gewachsen und allein dafür hat sich seine ungewöhnliche Reise für mich gelohnt.