Zu zickig, zu fett, zu häßlich, zu frech, zu gierig: Immer wieder kommen vor allem Frauen in Situationen, in denen das Gefühl von Scham die Kontrolle übernimmt. Von früher Kindheit an werden sie beschämt und durch soziale Zwänge eingeschränkt. Wo begegnet uns die Scham? Wie machen wir uns davon frei?
Die unverschämte Frau ist ein Sachbuch von Miriam Stein.
Das Sachbuch besteht aus sechs Teilen, der Scham-Inventur. Eingeleitet wird der Hauptteil mit einem Vorwort, abgeschlossen mit einem Epilog, der mit dem Mythos und der Metapher des biederen, bescheidenen Veilchens abrechnet.
Ausführlich erkundet die Autorin auf etwas mehr als 200 Seiten das wohl intensivste Gefühl von allen, die Scham. Zunächst geht es um diese Emotion im Allgemeinen. In den sechs folgenden Abschnitten betrachtet sie das Schamgefühl genauer: in Bezug auf den Körper, die Ernährung, den Anstand, die Finanzen und die Herkunft. Sie beleuchtet jeweils verschiedene Aspekte.
Sie entlarvt, wie dominant die Scham ist, welche Mechanismen und Absichten dahinterstecken. Dass dieses Gefühl zwar grundsätzlich nützlich, aber oft eben auch unnötig ist. Dabei wird deutlich, dass vor allem Frauen von der Scham bestimmt werden - aufgrund von Rollenerwartungen, sexistischen Einstellungen, patriarchalen Strukturen und Sozialisierungen.
Wer sich schon im Vorfeld mit feministisch ausgerichteten Sachbüchern befasst hat, wird nicht in jedem Kapitel Unbekanntes erfahren. Dennoch liefert das Buch einen guten und umfangreichen Überblick zu diesem Thema.
Miriam Stein bezieht sich auf Studien, auf Aussagen renommierter Experten, auf einschlägige Lektüren und auf andere seriöse Quellen. Wie umfassend und gründlich die Recherche gewesen sein muss, lässt das beigefügte Verzeichnis mit Nachweisen
(Anmerkungen) erahnen.
Vor allem aber erzählt die Autorin bemerkenswert offen und erfrischend direkt von ihrer eigenen Befreiungsgeschichte: in welchen Situationen sie Scham erlebt hat und wie sie versucht, das Gefühl abzuschütteln.
Um ihre Aussagen bildlich zu transportieren, arbeitet die Autorin unter anderem mit dem Symbol des angeblich sittsamen Veilchens. Auch viele anschauliche Beispiele aus dem Alltag tragen dazu bei, dass die Inhalte gut verständlich sind. Zugleich müssen wir nicht auf Fachtermini und wissenschaftlich korrekte Formulierungen verzichten.
Mein Fazit:
Mit Die unverschämte Frau hat Miriam Stein ein aufschlussreiches, kurzweilig geschriebenes und fundiertes Sachbuch zur weiblichen Scham verfasst, das tolle Denkanstöße liefert und das ich insbesondere Frauen ans Herz legen kann. Definitiv empfehlenswert!