Die Journalistn Miriam Stein führt in Die unverschämte Frau eine Schaminventur durch, durchleuchtet kapitelweise verschiedene Bereiche von Scham: Körper-, Essens-, Anstands-, Geld- und Herkunftsscham und, im sechsten und letzten Kapitel Die unverschämte Frau.
Jedes Kapitel beginnt mit Fragen zur eigenen Bestandsaufnahme und Reflexion, schildert Erlebnisse, Bgebenheiten, Selbstverständlichkeiten, die jede Frau wohl kennengelernt hat, sein es von erniedrigenden Untersuchngsmethoden bei Ärzten, und verwendeten Materialien, beispielsweise Spekula, die nicht selten in der Anwendung schmerzhaft, verletzend und von Bauart und Material seit Jahrhunderten kaum verändert wurden, es aber durchaus bereits moderne, verbesserte Ausführungen gibt. Jedes Kapitel enthält unterschiedliche Beispiele und Unterthemen, ergänzt von Erfahrungen der Autorin und manchesmal auch anderer. Die Vielschichtigkeit der Betrachtungen fand ich sehr interessant, beispielsweise die Vorstellung des Stammbuches, das ausschließlich von männlichen (versteht sich vo selbst) Studenten und Adligen auf ihren Bildungs- und Kavalierstouren durch Europa mitgeführt und als akademisches Staussymbol eingestuft wurde und als Vorläufer des Poesiealbums gilt. Das war mir neu, zeigt aber das zugrunde liegende Problem perfekt. Das Titelbild bezieht sich auf einen der vielvertretenen Poeseie-/Merksprüche für Frauen wieder: Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam bescheiden und rein Es gibt auch Beispiele aus Politik und Wirtschaft und viele persönliche der Autorin, die ich nicht erlebt, aber durchaus nachvollziehen kann.
Insgesamt fand ich die vielen Aspekte, die unmöglich alle hier anzusprechen sind, sehr interessant. Mich hat erstaunt, wie viele für mich Gewohnheit geworden sind und immer noch unverändert bestehen. Spannend waren für mich dieBetrachtungen kann das weg?, oder wie hat sich diese besondere Scham historisch entwickelt und, wie sinnvoll sind einige, die anscheinend vielen nicht mehr wichtig sind, beispielsweise bei Kommentaren im Internet, bei denen alle Grenzen gefallen zu sein scheinen. Mich hat das Buch gefesselt und ich habe es deshalb an einem Tag gelesen, muss aber gestehen, dass mich das sehr heruntergezogen hat und ich empfehlen würde, lieber in Etappen zu lesen.