Für ihre Masterarbeit hat Angel täglich stundenlang eine Schimpansengruppe im Zoo beobachtet, als Dr. Timothy Cole ihr das Angebot macht, mit seiner Forschungsgruppe nach Tansania zu reisen um auf einer privaten Insel frei lebende Schimpansen zu studieren, muss sie nicht lange überlegen. Ihre Fähigkeiten als Profiturnerin helfen dabei, auf die hohen Bäume zu klettern, wo sich auch die Schimpansen aufhalten und es gelingt ihr, Teil der Gruppe zu werden. Doch eines Tages wird die Insel verkauft und die neuen Investoren reisen an, um Samaki Island zu besichtigen. Unter dem Deckmantel des Naturschutzes verfolgen die Eigentümer ganz andere Pläne, doch Angel ist bereit, für ihre tierischen Freunde und deren Lebensraum zu kämpfen.
"Die Insel der Schimpansen" von John Ironmonger ist eine fesselnd geschriebene Geschichte über Mensch und Natur, unser Umgang mit der Welt um uns herum wird hier kritisch betrachtet. Der Einstieg, in dem ein Schriftsteller wiedergibt, wie er aus Angels Erzählungen und Aufzeichnungen dieses Buch verfasste, war für mich so überzeugend formuliert, dass ich den Eindruck realer Begebenheiten bekam, erst als der Schreiber seinen Namen erwähnte, ist mir aufgegangen, dass die Handlung doch (wie vorab erwartet) fiktiv ist. Die im Umgang mit Menschen eher introvertiert wirkende Angel war mir schnell sympathisch, sie und alle anderen Figuren im Buch fand ich authentisch und lebensecht dargestellt.
Der Schreibstil hat mich schnell in seinen Bann gezogen, obwohl das Geschehen in verschiedenen Sequenzen (ähnlich einer Reportage) wiedergegeben wird, die nicht immer chronologisch geordnet sind, liest sich der Roman nicht wie ein trockener Bericht, der Autor versteht es meisterhaft, unterschwellige Emotionen lebendig werden zu lassen. Für meinen Geschmack hätte Angels Zusammenleben mit den Schimpansen und das Erlernen ihrer Sprache gern noch etwas mehr Raum in der Handlung einnehmen dürfen, dennoch war ich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und fasziniert. Dieses einzigartige Lesevergnügen weiß zu unterhalten und regt zum Nachdenken an. Sowohl im Text als auch im Nachwort ist John Ironmongers Liebe zur Natur zu erkennen, da er selbst und auch seine Ehefrau Zoologen sind, hält sich bei mir hartnäckig der Gedanke, ob der Roman autobiografische Züge enthalten könnte. Für diese mitreißende Lektüre spreche ich eine unbedingte Leseempfehlung aus.
Fazit: Der eine Stern Abzug in meiner Bewertung bezieht sich auf den Wunsch, mehr über Angels Zeit bei den Schimpansen zu lesen, abgesehen von diesem winzigen Kritikpunkt hat mich die spannende Geschichte gefesselt und fasziniert, das Lesevergnügen empfehle ich gern weiter.