Manchmal wird einem alles zu viel und man will nur noch weg. Die einen sehen es als Flucht, die anderen als mutiger Schritt. Nea ist Autorin und die Veröffentlichung ihres neuen Buches ist das reinste Desaster. Stress mit dem Verleger, ihrem Freund und die sozialen Medien zerreissen ihr Buch aufgrund unhaltbarer Beschuldigungen. Um nicht mehr die ganzen Nachrichten zu sehen nimmt sie kurzerhand ihre Sim Karte und nagelt sie an die Wand. Dann steigt sie ins Taxi und sucht sich spontan ein Reiseziel von der Abflugtafel aus und los geht's. Fernab von allem, was sie daheim hatte schafft es Nea, sich langsam aber sicher gehen zu lassen und zu sich zu finden.
Das Hauptaugenmerk der Geschichte ist sicher der Prozess, den Nea durchläuft, von der Verzweiflung, zur Hilflosigkeit in dem fremden Land, dem neues Ausprobieren und Sachen nicht offenbaren wollen, bis hin zu dem Punkt, dass man komplett ist mit allem, was man gemacht und durchlebt hat und daran wachsen und stark werden darf.
Mir hat die Affinität der Personen zu Heilpflanzen sehr gut gefallen. Sie werden schön beschrieben und zeigen, wie schön man im Einklang mit der Natur leben kann. Das spiegelt sich auch bei den Frauen wieder, die Nea kennen gelernt hat. Manchen mag das ganze vielleicht zu esoterisch rüber kommen, aber wenn man offen ist und sich mit dem Thema auseinander setzt gibt es tolle Denkanstösse und Impulse.
Im Buch sind immer wieder Kapitel eingeschoben aus der Vergangenheit einzelner Personen. Es trägt nicht unbedingt zum Verlauf der Geschichte bei, erklärt aber, wie die Person zu dem geworden ist, wer sie heute ist. Das wiederum zeig, dass jeder Mensch eine Geschichte hat und mit dem Wissen sieht man die Person gleich in einem anderen Licht. Das ist hier sehr eindrücklich.
Ein schöner Roman, der einen mitnimmt auf die Suche, die Auszeit und das neu Ausrichten. Als Hörbuchsprecher mag ich Corinna Dorenkamp. Sie hat für mich ein tolles Bild gezeichnet von Nea. Die Stimmt passt für mich zu einer Erwachsenen Frau, ist nicht zu verspielt und drückt zahlreiche Emotionen aus. Mit Regina Lemnitz hatte ich meine Liebe Mühe. Ihre Passagen musste ich mit einer anderen Geschwindigkeit hören da sie mir zu langsam und zu alt, belehrend vorkam, vielleicht monoton? Durch die schneller Geschwindigkeit war die Stimme für mich angenehmer zu hören. Ich war froh, war die Aufteilung der Sprecherinnen so und nicht andersrum. Daher ein Stern Abzug.
Während der Geschichte habe ich mich immer wieder gefragt, ob das eine Geschichte über die Autorin ist. Am Ende des Buches kommt ein Nachwort der Autorin an den Leser, das diese Frage beantwortet.