Ich mag das Cover von Über der Brandung von Franziska Jebens sehr, denn die Gestaltung ist ungewöhnlich und sie macht mich neugierig. Zudem harmonieren die Farben wunderbar und die Tatsache, dass das Meer sehr viel Raum einnimmt, passt ebenso wunderbar zur Geschichte, wie der Rest des Bildes.
Die Geschichte erzählt von einer jungen Frau, die alles hinter sich lässt und auf einer kleinen Insel in der zauberhaften Ägäis landet. Dort trifft sie auf die naturverbunden lebende Hera, die sie auf ihrem Weg unterstützt und die ihr einen Ort bietet, um wieder zu Kräften zu kommen und vielleicht auch endlich zu sich selbst zu finden
Tja, und jetzt bin ich sehr unsicher, wie ich das, was ich bei der Lektüre dieses Buches empfunden habe, in Worte fassen soll, denn ich habe Bedenken, dass ich der ungeheuren Kraft, die diese Geschichte ausstrahlt, nicht gerecht werde Aber ich werde mein Bestes geben, denn dieses Buch ist für mich wirklich etwas Besonderes!
Für mich war es das erste Buch von Franziska Jebens und es hat mich von Anfang an beeindruckt, wie sehr sie mit ihrer Geschichte einen ungewöhnlichen und individuellen Weg geht. So treffen wir LeserInnen zu Beginn der Lektüre zunächst auf die Insel, die selber von ihrem Dasein erzählt und auch im Verlauf der eigentlichen Handlung gibt es immer mal wieder kleine Einschübe, die aus der Vergangenheit der ProtagonistInnen berichten. Mir haben diese losgelösten Elemente sehr gefallen, denn sie haben es mir ermöglicht noch tiefer in die Besonderheiten der Charaktere einzutauchen und so manches zu erfahren, was mir sonst entgangen wäre.
Aber auch die Geschichte an sich erzählt die Autorin in sehr angenehmer Art und Weise, die sich leicht lesen lässt, die aber sehr intensiv wirkt. Sie schafft mit ihren Worten eine federleichte, flirrende und poetische Atmosphäre, in der die Entwicklung der jungen Frau sich richtig entfalten und zur Geltung kommen kann. Nach und nach erfahren wir Vieles aus der Vergangenheit, die aktuelle Metamorphose und Neuausrichtung steht aber deutlich im Vordergrund und es war absolut bereichernd diese mitzuerleben.
Der Text strahlt eine sehr starke Kraft aus und feiert neben der Natur auch ganz bewusst die Weiblichkeit. So habe ich neben aller Unterhaltung auch viele Informationen zur Geschichte der Frauen, sowie zu Kräuterkunde und den Gestirnen erhalten, die mir vorher überhaupt nicht bekannt waren und die so stimmig in das Geschehen eingebaut waren, dass ich sie beim Lesen mit aufsaugen konnte. Einige Themen haben mich da wirklich fasziniert und ich werde mich noch einmal weite darin vertiefen. Nicht verschweigen möchte ich außerdem, dass auch mystische Dinge und das Hexentum eine wesentliche Rolle spielen. Ich tue mich mit solchen Elementen in Geschichten häufig ein wenig schwer, in diesem Fall wirkte die Thematisierung auf mich jedoch vollkommen stimmig, überhaupt nicht abgehoben oder künstlich, sondern einfach ganz natürlich und selbstverständlich. Ich habe mich damit wirklich wohl fühlen können und beim Lesen sogar eine gewisse Faszination dafür verspürt, die ich vor allem im starken Zusammenhalt der Frauen verorte, die diese Themen in der Geschichte leben.
Unübertroffen ist für mich aber wirklich das Gefühl, das diese Geschichte bei mir ausgelöst hat. Ein solches Empfinden von Freiheit, Wachstum, Entwicklung, Besinnung und Erdung habe ich schon sehr lange nicht mehr verspürt und es hat stark in mir gearbeitet und nachgewirkt.
Über der Brandung ist ein ganz besonderes Buch, das leise und poetisch von einer Wandlung erzählt, das Freiheit in Worten einfängt und das Mut macht, sich der eigenen Persönlichkeit anzunehmen, sich seinem Leben mit all seinen Facetten zu stellen und die Chance auf einen Neuanfang jeder Zeit zu ergreifen viel Freude beim Lesen!