Als die 17-Jährige Viola sich spontan auf ein ungewöhnliches Au-pair-Abenteuer einlässt, ahnt sie noch nicht, was sie in Fairytown erwartet. In dem kleinen Städtchen scheinen die Uhren anders zu ticken und schon bald häufen sich merkwürdige Ereignisse. Zwischen außergewöhnlichen Läden, geheimnisvollen Begegnungen und märchenhaften Wesen muss Viola herausfinden, was es mit diesem besonderen Ort auf sich hat.
"Fairytown" ist ein süßer Jugendroman und war für mich ein angenehmer cozy-Read. Mit Viola als Hauptfigur hatte ich schnell Mitgefühl und konnte gut nachvollziehen, dass sie sich von Fairytown angezogen fühlt. Das Städtchen beherbergt viele kleine und außergewöhnliche Läden sowie magische Eigenheiten, was mich sehr begeistern konnte - insbesondere in den einzelnen Läden wie dem Buchladen hätte ich gerne noch mehr Zeit verbracht! Viele Szenen bleiben mir auch im Nachgang positiv in Erinnerung und ich mochte den Ideenreichtum des Autors sehr!
Die Handlung ist eine Mischung aus Cozy Fantasy, märchenhaften Elementen und spannenden Geheimnissen. Es gibt immer wieder neue Hinweise, Ungereimtheiten und offene Fragen, sodass man entspannt miträtseln kann. Ich konnte beim Lesen stets eigene Vermutungen anstellen und folgte nicht einfach nur passiv der Handlung, was den Roman zu einem schönen Erlebnis gemacht hat. Dabei wurde die Geschichte nie zu düster, sondern behielt ihre gemütliche und märchenhafte Atmosphäre als Jugendbuch. Auch die zahlreichen Anspielungen auf bekannte Geschichten und fantastische Welten wie Alice im Wunderland, Narnia, Die Schöne und das Biest oder Twilight fand ich schön eingeflochten.
Insbesondere das Worldbuilding möchte ich hervorheben. Ich empfand es als sehr angenehm unaufdringlich gelungen. Man entdeckt Fairytown gemeinsam mit Viola und lernt die Besonderheiten des Ortes nach und nach kennen. Gerade für jüngere Leserinnen und Leser, die vielleicht noch nicht so viel Berührung mit Fantasyromanen hatten, finde ich die Einführung gelungen. Erfahrenere Fantasyleser können sich dagegen schon früh ihren eigenen Reim auf die merkwürdigen Vorkommnisse machen, ohne dass die Handlung auf mich zu vorhersehbar wirkte. Auch emotional hat die Geschichte einiges zu bieten, ohne dass z.B. die Romantik zu viel Raum einnimmt.
Viola entwickelt sich im Laufe der Geschichte stets weiter und findet zunehmend ihren Platz in Fairytown - mir gefiel die Persönlichkeitsentwicklung von ihr als Hauptfigur sehr gut, weil sie authentisch und nicht zu überhastet ablief. Ohne belehrend zu wirken, hat der Autor hier einige gute Denkanstöße eingeflochten, die beim Lesen noch einmal inne halten ließen. Auch die anderen Figuren aus Fairytown, sowie Violas Gegenpart Ben sind mir sehr ans Herz gewachsen.
Sprachlich las sich das Buch angenehm flüssig und ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen. An das verwendete Präsens musste ich mich zwar zunächst etwas gewöhnen, nach einer Weile war das aber kein Problem mehr. Man merkt, dass sich das Buch an ein jüngeres Publikum richtet, denn der Einstieg ist unkompliziert und man fand schnell in die Geschichte hinein. Lediglich manche Szenen zu Beginn waren mir etwas zu schnell erzählt. Hier hätte ich mir stellenweise ein wenig mehr Raum für Gespräche und Emotionen gewünscht. Auch die eine oder andere Handlung von Viola hätte für mich noch etwas ausführlicher ausgearbeitet werden dürfen. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau und wird sicherlich jede/r anders empfinden ;) Insbesondere in Anbetracht des eigentlichen Zielalters des Romans fand ich das Tempo der Geschichte und die Tiefe gut gewählt.
Ein kleines Lob verdient außerdem die Buchgestaltung: Das Cover und der Farbschnitt sind wunderschön, die angenehm große Schrift macht das Lesen komfortabel und auch die außergewöhnlich dicken Seiten vermitteln einen hochwertigen Eindruck.
Fazit: Fairytown ist für mich ein zauberhafter Cozy-Fantasy-Roman, der mit einer gemütlichen Atmosphäre, liebevollen Ideen, sympathischen Figuren und jeder Menge kleiner Geheimnisse überzeugt. Ich habe mich sehr gerne gemeinsam mit Viola durch die Gassen des Städtchens treiben lassen und finde, es passt mit gemütlichen Lesestunden sehr gut in die aktuelle Herbst- und Winterzeit. Sehr gerne würde ich noch einmal nach Fairytown zurückkehren - vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung?