Die junge Priesterin Atala lebt auf Thera, bis ein schweres Erdbeben ihr bisheriges Leben verändert. Ausgerechnet ihre eigene Tante gibt ihr die Schuld an dem Unglück. Atala wird deshalb für drei Jahre in ein weit entferntes Land geschickt. Dort muss sie sich in einer völlig fremden Umgebung zurechtfinden und gerät bald in eine gefährliche Sache hinein. Beran, der jüngere Sohn des Stammesfürsten, wird dabei immer wichtiger für sie.
Atalas Leben als Priesterin fand ich interessant, weil dadurch auch die Vorstellungen der Menschen dieser Zeit eine große Rolle spielen. Die Götter bestimmen ihren Alltag und viele Entscheidungen werden von den religiösen Regeln beeinflusst. Gleichzeitig ist Atala aber keine Frau, die einfach hinnimmt, was andere für sie bestimmen. Sie denkt mit und versucht, aus schwierigen Situationen wieder herauszukommen.
Auch die fremde Welt, in die Atala durch ihre Verbannung kommt, wird ausführlich beschrieben. Beim Lesen musste ich mich erst einmal auf diese andere Lebensweise einlassen. Die Menschen leben nach ihren eigenen Regeln und auch Beran hat seine Pflichten und Vorstellungen. Zwischen ihm und Atala entwickelt sich die Beziehung nicht plötzlich, sondern wächst nach und nach. Durch die Gefahren, die sie gemeinsam erleben, lernen sie einander besser kennen. Diese Entwicklung konnte ich gut nachvollziehen.
Immer wieder gibt es Situationen, in denen Atala ihr Wissen und ihren Mut braucht. Dadurch bleibt die Handlung abwechslungsreich. Gleichzeitig merkt man, dass sie selbst nicht genau weiß, was ihre Zukunft bringen wird. Besonders dieser Teil ihrer Geschichte hat mich immer wieder beschäftigt.
Über allem liegt von Anfang an das Wissen um den Vulkanausbruch auf Thera. Je näher die Ereignisse diesem Punkt kommen, desto gespannter war ich darauf, wie es weitergeht. Die Katastrophe selbst wird eindringlich geschildert. Beim Lesen war die Vorstellung beklemmend, dass für die Menschen dort innerhalb kurzer Zeit nichts mehr so sein wird wie vorher. Besonders bedrückend fand ich den Gedanken, dass sie kaum eine Möglichkeit haben, dem Geschehen zu entkommen.
Nicht jede Stelle konnte mich gleich stark fesseln. Zwischendurch gab es Abschnitte, bei denen mir die Handlung etwas zu langsam voranging. Das hat den Gesamteindruck aber nicht kaputt gemacht, denn gerade die Ereignisse rund um Atala und Beran haben mich immer wieder zurück in die Geschichte gezogen.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Verbindung zwischen dem persönlichen Schicksal der beiden und den großen Ereignissen dieser Zeit. Dadurch geht es nicht nur um eine Liebesgeschichte oder um eine historische Katastrophe. Es wird auch gezeigt, wie einzelne Menschen mit Veränderungen umgehen müssen, auf die sie keinen Einfluss haben.
Insgesamt war es für mich eine interessante Reise in eine sehr weit zurückliegende Zeit. Atala ist eine Hauptfigur, deren Weg nicht immer einfach ist und bei der sich vieles erst nach und nach entwickelt. Dazu kommen die fremde Lebensweise, die Bedeutung der Götter und schließlich der gewaltige Vulkanausbruch. Einige Längen gab es für mich zwar, trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und vergebe dafür 4 Sterne.