Ganz Hamburg feiert mit abertausenden Touristen und prächtigen Shows, dem Barkassen-Ballett sowie der legendären Schiffsparade den mehrtägigen Hafengeburtstag. Da hat eigentlich niemand Zeit für einen schnöden Mordfall. Doch als unweit des Festgeländes, am alten Moldauhafen, in einem geparkten Oldtimer eine Leiche gefunden, müssen Tom Bedixen von der Wasserschutzpolizei und Jonna Jacobi vom LKA ausrücken, um zu ermitteln. Die Überraschung ist groß, als sich herausstellt, dass der Tote der Privatermittler Rainer Francke ist, der im bislang ungeklärten Mord an Vanessa Berger arbeitet. Brisant ist auch, dass erstens der Oldtimer einem Mitglied der Hamburger Reederfamilie Blankenhagen gehört und zweitens in dem Auto winzige Blutspuren von Vanessa Berger zu finden sind.
Die Indizien zu den beiden Todesfällen deuten auf das Umfeld der Blankenhagen hin, was die obere Polizeihierarchie dazu veranlasst, den Ermittlern einen Maulkorb zu verpassen und größtmögliche Schonung der Reederfamilie zu befehlen.
Wer die Vorgänger kennt, ahnt schon, dass sich weder Tom Bendixen noch Jonna Jacobi davon abhalten lassen, penibel zu ermitteln. Zumal es den Anschein hat, dass die Kollegen bei den Ermittlungen im Mordfall Vanessa nicht ganz so gründlich vorgegangen sind, aus welchen Gründen auch immer.
Meine Meinung:
Angélique und Andreas Käster ist wieder ein spannender Einblick in die Tätigkeit der Wasserschutzpolizei gelungen. Vor allem vor dem Hintergrund des Hafengeburtstages, bei dem die Nerven aller Ordnungskräfte bis zum Zerreißen gespannt ist. Man weiß ja nie, auf welche dämliche Ideen Besucher kommen könnten. Das eine oder andere wird auch erwähnt. Sehr interessant ist der Funkverkehr zwischen den Polizisten der WSP zu lesen, die immer wieder Privatgespräche aus ihren dienstlichen Funkfrequenzen vertreiben müssen. Daneben erfahren wir auch einiges über Abläufe im Hafen, wenn z. B. der Verdacht besteht, dass auf einem Schiff eine ansteckende Krankheit ausgebrochen ist und das Schiff plötzlich die Quarantänefahne hissen muss. Interessant ist auch die Geschichte des Moldauhafens zu lesen, der im Rahmen des Versailler Vertrages von 1919 der damaligen Tschechoslowakei, ab 1929 als zollfreien (!) Zugang zum Meer dienen muss. Der auf 99 Jahre ausgelegte Pachtvertrag läuft demnächst aus. Die Stadt Hamburg hat mit den Flächen am Grasbrook bereits interessante Pläne.
Als erklärter Hamburg-Fan habe ich bei dieser Reihe immer das Gefühl des Heimkommens, was nicht nur an der Stadt selbst, sondern auch an dem Stammpersonal liegt. Daher gefällt es mir sehr, an den persönlichen Schicksalen der Protagonisten teilhaben zu können. Jede bzw. jeder hat so sein eigenes Päckchen zu tragen. Sei Daan, dessen Vater immer tiefer in der Demenz verschwindet, oder Tom, dessen Ehe mit Lisa sichtlich auf der Kippe steht, oder Charlotte, die im nächsten, dem 5. Fall, vermutlich eine größere Rolle spielen wird. Doch auch jene Charaktere, die wie Marvin, diesmal einen kleineren Auftritt haben, sind authentisch dargestellt und sehr gut herausgearbeitet. Und so manchem könnte in weiteren Fortsetzungen ein größeres Gewicht zugedacht sein. Mich würds freuen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.