2001. Ich war 20. Frank Lehman trat in mein Leben. Und mit ihm kamen im Laufe der Jahre sein Bruder Freddie, seine Eltern, Karl Schmidt, Erwin, Ferdie und Raimund, H.R. Ledigt, P. Immel, Chrissie, Helga, Kerstin und dieser ganze urkomische Kosmos eigenwilliger, alternativer (Lebens-)Künstler in Berlin.
Ein Buch von Sven Regener zu lesen bedeutet, hinterher etwas versöhnter mit der Welt zu sein, nach vielen Seiten wieder aufzutauchen und das Gefühl zu haben, Zeit mit guten Freunden verbracht zu haben.
23. Dezember 1980. Frankie Lehmann wohnt in Freddies WG und fasst langsam Fuß in Berlin. Freddie ist zurück vom Kudamm aus der Klinik, in der er wochenlang als Proband für Antidepressiva verschwand. Mit gravierenden Angststörungen verlässt er die Klinik. Er will weiter nach New York, aber sein Flugticket und sein Pass landen in der Reisetasche von Artsy Fartsy, und die wiederum im Schneeräumfahrzeug von Karl Schmidt.
So beginnt eine Odyssee durch das nächtliche Berlin, begleitet vom unverwechselbaren Sound Sven Regeners.
Lange schon sind Frankie und Freddie als lebensechte Figuren in der Welt, es scheint fast unmöglich, dass sie nicht real sind. Schemenhaft flackern sie alle auch manchmal in den Gestalten von Detlev Buck, Charly Hübner, Christian Ulmen, Bjarne Mädel durch den Geist, aber vielmehr noch sind sie lebendig zwischen den Seiten, so echt, wie es Buch-Charaktere nur sein können.
In Frankie und Freddie landen sie auf ihrer Jagd nach Karl Schmidt, Artsy und der Tasche unter Ostberlin, diskutieren über das Alltägliche, Anarchie, den Sinn des Lebens, die Kunst, die Stadt, die Clubs, Malen nach Zahlen, das Rot No.5 und kreisen um die Frage, wer wo und wie Weihnachten verbringt.
Diese warmherzige Melancholie, die Schlagfertigkeit, die Selbstgespräche, die Wortschöpfungen, diese tiefe Menschlichkeit, diese einzigartigen Dialoge, dieser intellektuelle Jargon, der sich immer wieder selbst karikiert, dieses originale Berlin der 1980er Jahre, das und noch viel mehr macht Frankie und Freddie aus.
Es ist eine Geschichte über Brüder, Familie, die Liebe, Spaß am Leben, Trotz, Widerstand und Resilienz mitten in der arktischen Kälte Berlins kurz vor Weihnachten.
Ich freue mich schon jetzt unbändig darauf, Frank, Freddie und Karl Schmidt wiederzutreffen.