Willkommen zurück in Kang Sonhos wunderbarem Briefladen. Mittlerweile hat er seine zweite Filiale in einem deutlich moderneren Stadtteil Seouls eröffnet, in welchem Woo Hyoyeong (Protagonistin aus Band 1) nun hauptberuflich tätig ist.
Auch diesmal ist die Handlung wieder thematisch zweigeteilt: Natürlich geht es wieder rund ums Briefescheiben und den besonderen PenPal-Service, durch welchen anonyme Brieffreundschaften entstehen können. Hinzu kommt diesmal das Thema Liebe sowie verschiedene Hürden und Stolpersteine, welche diese mit sich bringen kann.
"Den perfekten Moment gibt es nicht." (Zitat S. 172)
Was den Briefladen betrifft ging mir diesmal einiges an Charme dadurch verloren, dass die neue, im Fokus liegende Filiale in einer Art modernem Szeneviertel liegt mit mehr Laufkundschaft statt festem Kundenstamm. Kunden sowie Umfeld sind hier einfach unpersönlicher, was mir umso mehr auffiel, da ich Band 1 direkt vorweg gelesen habe. Die ganze Atmosphäre ist diesmal weniger greifbar, hinterließ bei mir den Eindruck eines zu einem Einkaufsviertel umstrukturierten Industrieviertels ohne wirklichen Wohlfühlcharakter.
Das Thema Liebe wird hier auf mehreren Ebenen behandelt. Der Inhaber der Briefläden hat gerade Streit mit seiner Frau, welchen er zu einem gewissen Teil selbst verschuldet hat, jetzt jedoch nicht die Kurve kriegt, um die Wogen zu glätten. Protagonistin Hyoyeong hat sich vor einigen Monaten von ihrem Freund getrennt (welcher allen bekannt sein wird, die Band 1 gelesen haben), und nun kommen beide nicht so wirklich darüber hinweg, hängen irgendwie doch noch aneinander, doch an der Kommunikation hapert es auch hier gewaltig. Hinzu kommen noch ein paar weitere Charaktere, mal mehr, mal weniger glücklich verliebt. Bei diesem Thema hat mir insbesondere die Charakterentwicklung des Exfreundes entscheidend gefehlt, um das Ende emotional wirklich mitfühlen zu können, wodurch es einen unangenehm faden Beigeschmack bekam.
Als zweiter Band schließt dieser Roman zwar locker und mit einigem Zeitversatz an Band 1 an und es gibt auch ein paar schöne Bezüge zu Band 1 wie die Idee der Jahresvorsatz-Briefaktion, welche nun umgesetzt wurde. Ebenso gibt es einige weitere Aktionen rund um das Briefeschreiben, welche sich thematisch gut einfügen und überzeugend gestaltet sind. Als störend empfand ich leider wieder die persönlichen Probleme der Protagonistin, bei welcher in Band 1 zumindest beide betroffenen Personen (sie und ihre Schwester) eine spürbare Charakterentwicklung durchmachten, während es diesmal doch zu einseitig und langatmig ausfällt, um mich überzeugen zu können. Atmosphärisch kommt Band 2 nicht ganz an den ersten Band heran.