Ich hatte mir den Roman anders vorgestellt. Er ist deutlich grausamer, als ich erwartet hatte, und spart Gewalt, einschließlich sexualisierter Gewalt, nicht aus. Das sollte man vor der Lektüre wissen. Kapitulation auf Kommando erzählt von Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, kaum Chancen bekommen und versuchen, eben auch mit Gewalt und Grausamkeit, ihren eigenen Weg zu finden.
Was mir beim Lesen geholfen hat, die ganze Gewalt auszuhalten, war die Sprache, in der erzählt wird. Die Sätze sind klar und unaufgeregt, es wird fast mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt. Dann wieder berührt einen ein beiläufig eingestreuter Nebensatz. Ich fand es gelungen, wie die Sprache den schweren, bedrückenden Themen Raum gibt, ohne sie zusätzlich dramatisieren zu müssen.
Ein intensiver, sprachlich besonderer Roman allerdings keiner, auf den man wegen der dargestellten Gewalt unvorbereitet treffen sollte.