Inhalt & Handlung:
Nachdem der gefeierte Bestsellerautor Marceau Miller am Fuße einer Felswand am Genfer See tot aufgefunden wird, deutet alles zunächst auf einen tragischen Kletterunfall hin. Kurz darauf erhält seine trauernde Witwe Sarah einen Brief von einem Notar, das einerseits auf eine große Geldsumme in einem Schließfach und andererseits auf ein Manuskript mit dem Titel Das letzte Buch von Marceau Miller hinweist, das ein zu Lebzeiten gut gehütetes Geheimnis von Marceau enthüllen soll. Da dieses Manuskript jedoch verschwunden zu sein scheint, glaubt Sarah nicht mehr an einen Kletterunfall, und begibt sich auf eigene Faust auf Spurensuche, nachdem sie von der Polizei im Stich gelassen wird, die nach wie vor von einem Unfall als wahrscheinlichste Todesursache ausgeht.
Nach und nach muss Sarah allerdings feststellen, dass nichts ist, wie es scheint und sie muss verzweifelt zusehen, wie ihr Leben wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt.
Schreibstil:
Dieses Buch ist sehr vielschichtig aufgebaut, es verbindet literarische Spannung mit poetischen Beschreibungen der malerischen Kulisse des Genfer Sees. Der Schreibstil ist flüssig und weist eine hohe sprachliche Eleganz auf. Durch häufige Perspektivenwechselt bekommt man Einblick in das Seelenleben jedes einzelnen und kann ihre Beweggründe oft gut nachvollziehen. Besonders bemerkenswert ist die Art, wie der Autor scheinbar alltägliche Szenen mit einer stillen Intensität auflädt. Vor einem entfaltet sich eine Geschichte, die den Leser von der ersten Seite an fesselt und bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Charaktere:
Die einzelnen Charaktere sind sehr facettenreich, durch innere Monologe erfährt man viel über ihren Background, wodurch man ihre oftmals starke seelische Zerrissenheit gut verstehen kann. Jeder Dialog wirkt glaubwürdig, niemals gestelzt oder unnatürlich, jede Figur besitzt Tiefe und hat eigene innere Konflikte auszutragen.
Die Hauptfigur der Sarah ist hervorragend ausgearbeitet und entwickelt sich im Verlauf der Handlung auf nachvollziehbare Weise weiter. Mit dem Tod ihres Ehemanns bekommt ihr vermeintlich stabiles und sicheres Leben Risse und beginnt nach und nach zu bröckeln, sie erkennt, dass vermeintliche Konstanten in ihrem Leben doch nicht so sind, wie angenommen.
AutorIn:
Als Autor wird wie im Titel Marceau Miller geführt, ob dieser Name nur ein Pseudonym ist, lässt sich jedoch nicht herausfinden, so karg sind die Informationen, die man über ihn im Internet findet. Auf der Seite des Inselverlags findet man lediglich folgende Anmerkung: Marceau Miller, vermutlich 1978 geboren, ist möglicherweise Schriftsteller und Drehbuchautor. Dies ist jedoch das erste Mal, dass er einen Roman unter diesem Namen geschrieben hat. Er lebt in Frankreich und kehrt regelmäßig an den Genfersee zurück, eine Region, die ihn stark fasziniert.
Sprecher:
Das Hörbuch wird von zwei Sprechern gelesen: Marlen Ulonska und Johannes Quester, das erleichtert beim Zuhören dem Perspektivenwechsel zu folgen. Beide Sprecher sind gut ausgewählt, denn mit ihrer ruhigen Art, zu erzählen, werden die Beschreibungen zu einem besonderen Genuss.
Meinung:
Gleich vorweg: ich habe dieses Buch im Hörbuchformat verfolgt, und war von dem Gesamtpaket sehr angetan. Einerseits finde ich das Konzept, in einem Buch quasi ein weiteres Buch zu verpacken, sehr originell, man wird hier lange Zeit geschickt im Dunkeln gelassen, worauf diese Geschichte letztendlich hinausläuft und in welchem genauen Zusammenhang das verschwundene Manuskript mit dem Ableben des Autors Marceau Miller steht. Ein Mord steht im Raum und nach und nach erscheint jeder einzelne Charakter verdächtig, etwas mit seinem Tod zu tun zu haben. Für die Protagonistin Sarah bedeutet dies eine emotionale Achterbahnfahrt, denn es tun sich immer mehr Abgründe in ihrem bisher recht überschaubaren Leben auf. Immer mehr verschwimmen Erinnerungen, Wahrheiten und Fiktion miteinander, sodass sie zeitweise nicht mehr sagen kann, was real und was Einbildung ist als Leser fühlt man in dieser verworrenen Lage mit ihr!
Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Atmosphäre des Buches. Die Schauplätze wirken lebendig und detailreich beschrieben, ohne jemals überladen zu erscheinen. Miller versteht es meisterhaft, Stimmungen einzufangen mal melancholisch und ruhig, dann wieder geheimnisvoll und beinahe beklemmend. Dadurch entsteht ein Sog, der den Leser tief in die Welt des Romans hineinzieht.
Ein sehr spannendes Werk, das letztlich auch mit einem Ende aufwartet, mit dem ich in dieser Form nicht gerechnet hätte! Es ist aber nicht irgendwie dramaturgisch aufgebauscht, sondern durchaus stimmig.
Fazit:
Ein Buch, das von seiner besonderen Atmosphäre lebt fesselnd von der ersten Seite bis zum Schluss!