Soraya hatte nie vor, die Element Academy zu besuchen, und trotzdem muss sie sich der Aufnahmeprüfung stellen. Dabei trifft sie auf den Kronprinzen, der ihren Bruder verurteilt hat, und eine unfreiwillige Verbindung nimmt ihren Lauf.
Aber die Bücher lesende Pazifistin zieht es vor, nicht zu sterben. Was ausgesprochen schwierig ist in einer Welt, in der es darum geht, zu töten oder getötet zu werden. -Soraya
Ich wollte dieses Buch wirklich mögen und von der Prämisse hat es sich auch wirklich gut angehört. Hinzu kommt die phänomenale Gestaltung mit dem wunderschönen Cover, dem dazu passenden Farbschnitt, der einzigartigen Karte und den Innenklappen mit Bildern und Informationen über die Welt. Außerdem kommen zwischen den Kapiteln immer mal wieder Einträge mit Details, die für den Verlauf der Geschichte wichtig sind, wie zum Beispiel Gesetze oder Sachbuchtexte. Zwar haben diese Ausschnitte das jeweils nächste Kapitel gespoilert, weil man nun wusste, worüber es gehen wird, aber sie waren notwendig, da die ganze Welt neu ist und Schritt für Schritt aufgebaut werden muss. Allgemein ist das Worldbuilding das Beste an dem Buch und man spürt, wie viel Liebe der Autorin hineingeflossen ist. Ganz langsam lernen wir das Königreich Castillo und die Reiche der Naturvölker kennen und insbesondere die Auslegung der Politik und der Religion mit vergangenen Kriegen und Diskriminierung ist wirklich gut gelungen. Der bildliche Schreibstil führt dazu, dass man das Buch flüssig lesen und quasi in die Welt eintauchen kann.
Das war es aber auch schon fast, was ich positiv über den Auftakt einer Trilogie sagen kann, denn der ganze Rest hat mich nicht überzeugt und auch wenn meine Bewertung mit 2 Sternen eher schlecht ist, hat das Buch eher 2,5 verdient, weil ich einfach nicht mit der Story und den Charakteren warm wurde, es aber Aspekte gab, die überzeugen konnten. Schon der Anfang des Buches war für mich schwierig, denn ich kam von vornherein nicht mit Soraya klar und so sehr ich es im Laufe der Geschichte versucht habe, hat es nicht gefunkt. Leider ist sie für mich eine schwache und blasse Protagonistin, die durch ihre Gespräche genervt und nichts Sinnvolles beigesteuert hat. Es hätte viel Potenzial für eine Charakterentwicklung gegeben, aber das einzige, was irgendwann später geschieht, ist vermehrtes Training und das wars.
Zu den falschen Zeiten ist sie vorlaut, weiß aber durch Bücher lesen fast alles über die Welt und ist attraktiv, was mehrfach erwähnt werden musste, weil es sonst nichts gibt, was sie zu einer Hauptfigur macht. Ich gönne es allen Lesern von Herzen, die mit ihr gefühlt haben und die Story dadurch genießen konnten, doch für mich war bis zum Ende alles zu spät. Es folgt eine Szene, die cringe ist und künstlich konstruiert wird, der Nächsten und auch wenn ich gehofft habe, dass sich Soraya irgendwann beweist oder nicht nur aus Himmelei und Schönheit besteht, werde ich enttäuscht. Das Interessanteste waren noch ihre Freundinnen, die zu ihrer Familie werden, denn diese Momente waren schön und friedlich.
Eine weitere Sache, die es nicht besser gemacht hat, war die Liebesgeschichte. Durch den Klappentext habe ich mich schon darauf gefreut und es hat mich gar nicht mal gestört, dass wir eine extreme Slow Burn vor uns haben. Traurigerweise fühle ich zwischen Cruz und Soraya keinerlei Spannung und das wortgewandte Geplänkel zwischen ihnen, womit die Autorin Soraya Mut und ein wenig Charakter geschenkt hat, hat einfach nicht gepasst. Man sagt einem Kronprinzen, der den eigenen Bruder auf dem Gewissen hat, nicht, dass das ganze System falsch ist und durch eine Rebellion geändert werden muss. Solche Gedanken und Ähnliche sind nobel und würden der Geschichte vielleicht Tiefe verleihen, passen aber weder zu den Personen, noch zur Situation. Dementsprechend habe ich keine Gefühle zwischen ihnen gefühlt, erst recht keine anbahnende Liebe und das, was irgendwann zustande kam, kam aus dem Nichts. Cruz hat Geheimnisse und Kampfkraft, während sie ihn in jedem zweiten Satz anhimmelt und super heiß findet. Mehr ist da nicht und wenn die Story zu 70% auf deren Beziehung baut, hat man schon verloren. Hinzu kommt, ein kleiner Spoiler an dieser Stelle, eine beginnende Dreiecksbeziehung mit dem Bruder des Prinzen. Auch hier habe ich die Gefühle von beiden Seiten nicht verstanden und die Stimmungsschwankungen sind bei Cassian wie bei Cruz präsent. Klischeehafter konnte es nicht werden und ich kann jetzt schon vorhersagen, wie es im zweiten und dritten Teil der Reihe ausgehen wird, zumal eine mögliche Beziehung zwischen Soraya und den Prinzen sowieso faktisch verboten ist.
Zum Schluss haben wir den Plot, der hin und wieder ein paar Punkte einbringen konnte und in ganz wenigen Momenten, beispielsweise in Kampfsimulationen oder bei Plottwists, die die Geschichte in ein neues Licht rücken und die Zukunft verändern, Spannung erbrachte, ansonsten aber vollkommen vorhersehbar war. Ich habe mich praktisch durch das Buch gezwungen, weil es sich ewig lang gezogen hat und Kleinigkeiten bis ins Detail erklärt werden, während andere Teile, wie der Schluss, völlig überhastet zu Ende gebracht werden. Gäbe es keine Deadline, wäre ich noch ein paar Wochen mit dem Buch beschäftigt gewesen und auch das Ende des Buches hat mich unzufrieden zurück gelassen, weil man es schon 400 Seiten vorher erahnen konnte. Ich verstehe nicht, warum das Buch 700 Seiten braucht, wenn so wenig geschieht und das ist echt schade. Vor allem aus dem Grund, weil es auf Social Media von so vielen Influencern gehyped und gepriesen wird, während ich eine Enttäuschung nach der anderen erlebe und das gar nicht verstehen kann.
Man kann das Buch so zusammenfassen, dass Soraya auf mystische Weise durch die Aufnahmeprüfung ungewollt die Element Academy besuchen muss, dort unvorbereitet im Unterricht Gefahren überstehen muss und auf etwas Größeres durch Kampf- und Magietraining vorbereitet wird, während sie sich in jedem Kapitel Cruz und Cassian an den Hals wirft. Dabei nutzt die Autorin vorhandenes Potenzial nicht aus und nimmt eine klischeehafte und kitschige Szene nach der anderen, als hätte sie selbst nur das Worldbuilding neu erschaffen. Da kann man es durchaus verstehen, dass man zu stark an Harry Potter, Hunger Games und Divergent erinnert wird, weil einzelne Szenen daraus jeweils entnommen und zusammengeführt werden. Zum Beispiel ähnelt die Academy und das magische Dorf davor sehr stark Harry Potter, die Aufnahmeprüfung erinnert an Hunger Games und das System dahinter mit den Charakteren hat einige Parallelen zu Divergent. Für Leser, die neu in die Bücherwelt kommen, ist es Spannung und Abenteuer pur, aber für mich, die schon sehr viele Bücher durch hat, kam nichts Neues und Interessantes drin vor.
Insgesamt würde ich dieses Buch leider nicht empfehlen, weil ich es einfach nicht genießen konnte und ich über zu viele Szenen gestolpert bin, aber da es genügend Leser gibt, die das Buch gut fanden, sollte sich jeder eine eigene Meinung bilden und dem Buch vielleicht doch eine Chance geben!