Nichts ist wie es scheint
Lea Hartmann hat sich aus ihrem stressigem Berufsleben zurückgezogen und vegetiert mehr oder weniger nur noch zu Hause herum, als sie im Internet auf den charismatischen Matt Graves stößt. Sie ist direkt von ihm angezogen und besucht eines seiner Seminare, und aus den beiden wird ein Paar. Lea ist im siebten Himmel, zieht mit Matt in die Sancta Familia, und heiratet ihn. Alles scheint perfekt. Sie geht darin auf das Haus und alles für Matt schön herzurichten und postet ihre Bemühungen unter dem Hashtag Tradwifes. Dort propagiert sie wie gut es ihr tut, sich endlich fallen lassen zu können, die Verantwortung an ihren Matt abgeben zu können, ihm zu dienen sei eine echte Befreiung.
Diese Entwicklung beobachtet Leas ältere Schwester Paula unterdessen aus Deutschland sehr kritisch. Sie hat früher oft auf ihre jüngere Schwester aufgepasst, doch ein schreckliches Ereignis in deren Jugend hat dafür gesorgt, dass etwas zwischen den beiden zerbrochen ist, der Kontakt ist nun drastisch weniger geworden. Als Paula aber seit ein paar Wochen nicht einmal mehr neue Videos von Lea sieht, macht sie sich Sorgen und lässt ihren Mann mit ihren drei Kindern allein und fliegt in die Staaten um Lea und Matt zu besuchen. Doch es gestaltet sich schwierig in die abgeriegelte, nach außen heile Welt der Sancta Familia einzudringen. Als Matt ihr dann glauben machen will, dass Lea in einem Selbstfindungscamp ist, und es keine Möglichkeit gibt sie zu kontaktieren, kann Paula es ihm nicht so recht glauben. Und warum benimmt die kleine Emma, Leas Tochter sich so merkwürdig?
Vera Buck baut ein Szenario auf das an psychologischer Spannung kaum noch zu überbieten ist. Beim lesen war ich regelrecht gefangen und musste unbedingt weiterlesen um zu erfahren wie nun alles zusammenhängt.
Die Auflösung war am Ende sehr überraschend. Sie liefert dabei nicht nur einen spannenden Thriller, sie prangert auch Themen wie Social Media, und auch häuslichen Missbrauch an. Sie beschreibt sehr gut, wie diese Frauen sich oft selbst einreden, dass es besser ist zu tun was der Mann verlangt, und so abhängig werden, dass sie den Absprung einfach nicht schaffen, obwohl sie enorm unter der Situation leiden. Diese patriarchalen Strukturen werden gut durchleuchtet und der Einfluss, die die sozialen Medien dabei haben können, wird klar aufgezeigt.
Ein Buch was Spaß macht, aber eben auch zum nachdenken anregt. Ich kenne schon viele Bücher von Vera Buck, und sie schafft es immer wieder mich voll und ganz zu überzeugen!!